Kolbermoor – Ein Orgelkonzert müsse eine Feier auf der Orgel sein, meinte Franz Josef Stoiber, seines Zeichens Domorganist und Professor an der Hochschule für Kirchenmusik in Regensburg, zu Beginn des „Kolbermoorer Orgelmittwochs“, zu dem er am Maifeiertag aus der Oberpfalz kam.
Dass ihm selbst durchaus zum Feiern zumute war, war mit Beginn seines zweigeteilten Konzertprogramms auch gleich zu erkennen: mit enthusiastischem Schwung eröffnete die Pedal-Tonleiter Bachs Praeludium D-Dur, zog die Zuhörer in der vollbesetzten Kirche sofort in seinen Bann und geleitete sie durch die fröhlichen und dramatischen Teile mit ihren unerwarteten Wendungen hinüber zur quirligen Fuge, die Stoiber in abwechslungsreichen Registrierungen darbot, die Spannung rauschend steigerte, um nach dem letzten thematischem Einsatz im Pedal in ein rasantes Pedalsolo zu münden.
Zur Beruhigung folgten drei Choralbearbeitungen aus Sigfrid Karg-Elerts opus 65, in denen die Choralmelodien mal mehr, mal weniger versteckt und koloriert auftauchen. Im Pièce héroïque („Heldenstück“) des großen französischen Orgelkomponisten César Franck brachte Stoiber dann die erstaunlichen symphonischen Fähigkeiten der Orgel in Wiederkunft Christi zum Tragen, bevor er mit zwei Sätzen aus Flor Peeters „Suite modale“ den ersten Teil des Konzertes abschloss.
„Nach der Pflicht kommt die Kür“, meinte Stoiber – und damit den zweiten Teil des Abends: in freien Improvisationen über Oster- und Marienlieder aus dem „Gotteslob“ zeigte Stoiber nicht nur die Farbenvielfalt der Orgel, sondern auch sein großes improvisatorisches Können. Und es wurde wahrlich eine Kür: einem Praeludium mit Pirouetten und Rittbergern im Pedal und einer klassischen Fuge zu „Jesus lebt“, die mit ganzem Körpereinsatz immer weiter auf die Spitze getrieben wurde, folgte eine Variation mit arabesken Zwischenspielen über „Maria, dich lieben“.
Zuletzt stellte Stoiber in einer zwölfminütigen Suite über „Christ ist erstanden“ die Register-Bandbreite von kleinesten pianissimo bis zur gewaltigen Schluss-Toccata zur Schau, ließ die Liedthemen fein-ziseliert oder feurig-glitzernd auftauchen und verschwinden, bis jubelnder Beifall aufbrandete. Weder das Publikum, noch der Organist schienen an diesem Abend genug zu bekommen und so endete dieses außerordentliche Konzert erst nach zwei weiteren Zugaben und mit dem dreifachen Halleluja! Gerhard Franke