Aschau – Die zweite Ausstellung in diesem Jahr hat der Kunst- und Kulturverein zu Hohenaschau dem Münchner Künstler Horst Thürheimer gewidmet. Bereits 2010 hatte er ihm eine Ausstellung ausgerichtet. Im gleichen Jahr war Thürheimer über Deutschland hinaus bekannt geworden mit seinem „Kreuzweg“, bestehend aus 14 Glasfenstern in der katholischen Kirche St. Florian in München-Riem.
Die aktuelle Ausstellung soll eine Art Werkschau über drei Jahrzehnte des ungemein kreativen Schaffens von Thürheimer sein, wobei das Wort „Werkschau“ wohl etwas zu nüchtern ist. Viel treffender ist der Titel der Ausstellung, „Kreide, Wachs, Feuer“, der für die besonderen Materialien und Methoden steht.
Die aufregendste Entdeckung, die Thürheimer bei seiner Arbeit gemacht hat, ist der malerische Effekt, den Brandspuren auf Papier erzeugen. Mit der spitzen, offenen Flamme eines Bunsenbrenners brennt er in schnellen Aktionen rauchig braune Inseln in die Farbkomposition oder in das schimmernde Weiß des Papiers hinein. Aber auch tiefe, bis ins Holz vorstoßende Löcher mit Schwelrändern tun sich immer wieder in seinen Kompositionen auf.
Es ist, als seien in die Bildkörper Wunden geschlagen worden. Mit offener Flamme lässt sich auch das in den Kreideschichten schlummernde Wachs oder Öl so anschmelzen, dass die Farben zu fließen und über das Bild zu rinnen beginnen. Eine Form von Schönheit, die der Betrachter nicht nur mit den Augen, sondern auch mit der Psyche erlebt.
Dies alles wird in den ausgestellten Exponaten sichtbar. Im Erdgeschoss sind es zehn Bilder, von denen einige ohne Titel sind, doch mit Ölkreide auf Büttenpapier oder Holz gemalt und mit dem Bunsenbrenner bearbeitet wurden. Zwei großformatige Bilder enthalten zudem Wachs. Es sind die abstrakten „Landschaften I und II“ aus den Jahren 2007 und 2008, die in sehr dunklen Farben wie Schwarz und Braun gehalten sind.
Im Flur des ersten Stockwerks sind zumeist mittelformatige Bilder aus Acryl auf Bütten, Karton oder Holz. Das Bild Nr. 16, „Goldenes Feuer“, enthält zudem Blattgold. Thürheimer mischt seine Acrylfarben aus Pigmenten selbst zusammen. Viele der Bilder im Flur stammen wie auch Bilder im Raum 1 und 2 aus dem Jahr 1989. Der Künstler befand sich in diesem Jahr in New York, denn der bayerische Staat hatte ihm ein USA-Stipendium vermittelt. Die meisten der Bilder tragen deshalb den Titel „New York“ und stellen als abstrakte, senkrechte Farbstreifen zum Himmel ragende Türme dar (Graphit und Acryl auf Bütten).
Aus den Jahren 1986, 1988 und 1989 stammen Bilder im Flur oben und in den Räumen 1 und 2, betitelt mit „Aus dem tiefsten Inneren“ – zumeist Graphit, Acryl und Farbstift auf Papier. Sowohl Formen als auch Farben vermitteln etwas Mystisches.
Im Raum 3 sind zahlreiche Bilder der Serie „Antike im Feuer“ (Graphit, Wachs, Feuer auf Papier) aus den Jahren 1997 bis 2006 zu sehen. Die kraftvollen Bilder wurden in der Münchner Glyptothek zwischen den plastischen Meisterwerken zum Ereignis. Es sind Abbildungen antiker Köpfe und Grundrisse antiker Stadtanlagen, auf die Thürheimer mit seinen eigenen Mitteln reagiert, nämlich mit Quarzsand, Ölkreide oder Acryl auf Bütten („Köpfe“ I bis IV, 2000) und mit den Arbeiten 57 bis 64 (2006) aus Graphit, Wachs und Feuer auf Papier im Raum 3.
Im Raum 4 präsentiert sich der Künstler auf eine ganz andere Art und Weise. Hier sind von Nr. 65 bis 94 „Reiseblätter aus Griechenland“ aus dem Vorjahr zu sehen: Allesamt duftige, mit sicherem Strich gemalte Aquarelle, die einen völlig anderen Horst Thürheimer zeigen: Unbeschwert und weit weg von seinen speziellen Techniken.