In der Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ haben wir seit Beginn in den 1980er-Jahren viele überlieferte religiöse Gesänge aus alten Handschriften, Drucken und Sammlungen für das heutige Glaubensverständnis neu gestaltet. Damit führen wir die Arbeit mit der Neugestaltung von geistlichen Volksliedern für die Volksmusikpflege auf der Basis der musikalischen Überlieferung weiter, die auch Annette Thoma in den 1930er-Jahren begonnen hatte. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren dann das Bildungswerk Rosenheim mit Rosl Brandmayer und Fritz Kernich federführend – aber auch Pfarrer Franz Niegel (Berchtesgaden und Unterwössen).
Seit den 1980er-Jahren hat der in verschiedenen Pfarreien im Inntal tätige Pfarrer Hans Durner wesentlich an der Erneuerung der geistlichen Volkslieder mitgewirkt. Die durchwegs eingängigen und kräftigen Melodien dieser Zeugnisse christlicher Volksfrömmigkeit laden in der Gegenwart zum Mitsingen und zur Besinnung ein.
Zum gemeinsamen Singen von geistlichen Volksliedern lädt das Volksmusikarchiv im Sommer 2019 in Kirchen und Kapellen in ganz Oberbayern ein, so auch am kommenden Dienstag, 14. Mai, um 19 Uhr in die Expositurkirche St. Maria in Frauenried, Pfarrei Irschenberg.
Seit Jahren wird eine heilige Messe gestaltet, bei der besonders an die verstorbenen Volksmusikanten und Sänger gedacht werden soll. Heuer feiern wir diesen Gottesdienst zusammen mit Pfarrer Winkler in der kleinen Kirche von Frauenried mit dem spätgotischen Marien-Gnadenbild. Gemeinsam singen alle Besucher Lieder aus der „Deutschen Bauernmesse“ von Annette Thoma (1886 bis 1974) und auch geistliche Volkslieder, die zur Zeit nach Ostern passen und die Hoffnung auf Auferstehung und das ewige Leben zum Inhalt haben.
Das Volksmusikarchiv stellt ein Liederblatt zusammen, das man auch mit nach Hause nehmen kann. Nach dem Gottesdienst besteht die Möglichkeit, CDs des Volksmusikarchivs mit geistlichen Volksliedern zum Sonderpreis von fünf Euro zu erwerben.
Annette Thoma und die von ihr meist auf überlieferte Melodien von alten Weihnachts- und Hirtenliedern im Frühjahr 1933 neu getexteten Lieder der von ihr bewusst so genannten „Deutschen Bauernmesse“ sind in der Volksmusikpflege in Oberbayern und weit darüber hinaus nach dem Zweiten Weltkrieg eine feste Größe geworden. Es lag Annette Thoma fern, eine Mundartmesse zu gestalten – die Sprache der Lieder ist gehobenes Süddeutsch, kein Dialekt. Erstmals haben die (bäuerlichen) Riederinger Sänger zum Namenstag von Kiem Pauli (1882 bis 1960) am 29. Juni 1933 diese Lieder in der kleinen Kirche in Wildbad Kreuth gesungen.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat Annette Thoma Ende der 1960er-Jahre noch kleine Änderungen vorgenommen, damit die Volksbeteiligung bei den Messgesängen möglich wurde. Bei dem Gottesdienst am Dienstag, 14. Mai, können nun alle Besucher die bekannten Lieder selber singen und damit ganz aktiv den Gottesdienst mitgestalten.
85 Jahre nach der Entstehung der Lieder sind sie Volkslieder zum „Selber Singen“ geworden – auch das Schlusslied mit dem prägnanten Anfang: „Lasst uns dem Herrn danken“.