David Lynchs düstere Bilderwelten

von Redaktion

Kunstverein Rosenheim zeigt Lithografien des Regisseurs und Künstlers

Rosenheim – Die Gestalt eines Mannes duckt sich unter seinem Hut, das Gesicht maskenhaft starr. Rings umher prasselt Regen nieder, die Tropfen, schwarze, ausgefranste Löcher, wirken wie Einschüsse – so stellt sich das Bild dar, das der Ausstellung mit 21 Lithografien von David Lynch beim Kunstverein ihren Titel gab: „Man in the Rain“.

David Lynch? Genau – der David Lynch! In den 80er und 90er Jahren sorgte der US-amerikanische Regisseur mit Kinofilmen wie „Der Elefantenmensch“, „Dune – Der Wüstenplanet“ oder „Blue Velvet“ sowie der TV-Serie „Twin Peaks“ – einem Vorläufer der modernen, linear erzählten und komplexen TV-Serien – für Furore auf Leinwänden und Bildschirmen. Doch die ganz große Hollywood-Karriere blieb Lynch verwehrt. Zu abgründig, zu verstörend, zu bizarr waren die Bilderwelten, die seine Filme entwarfen.

Ebenso abgründig und verstörend sind die Lithografien in der Rosenheimer Ausstellung. Unter dem Titel „Hello Good Bye“ steht da eine ET-ähnliche Figur in Anzug und Krawatte. Aus dem unförmigen, monströs-breitem Kopf, der aus dem Kragen quillt, starren dem Betrachter zwei unterschiedlich gestaltete Augen entgegen. Erst wenn man näher herantritt, erkennt man, dass das, was aus der Ferne wie Augen wirkt, die aufgerissenen Münder zweier menschlicher Fratzen sind.

Oder „Examination“: In einem dunklen Raum liegt ein undefinierter Körper auf einem Bett. Eine angedeutete Gestalt beugt sich darüber, zwei deutlich erkennbare Hände greifen nach der liegenden Figur – oder sind es nicht eher Krallen?

Es sind Szenen wie Albträumen entsprungen – deformierte Körper, fratzenhafte Mienen, unheimliche Dunkelheit und verstörende Gewalt – eine Bildwelt voller Geheimnisse und Gefahren, ebenso bizarr wie irritierend. Eine Deutung fällt schwer. Obwohl viele Werke mit Inschriften versehen sind, machen sie die Situation nicht unbedingt klarer.

Die Ausstellung ist zweigeteilt. Gut die Hälfte der Werke gehören zu der Bildfolge „8 1/2 Suite“ – es sind Szenen aus dem Film „8 1/2“ von Federico Fellini von 1963. Der italienische Regisseur thematisiert darin seine Selbstzweifel in einer Schaffenskrise. Bruchlos wechselt der Film zwischen Realität und Traum. Doch trotz der Verzweiflung, von der Fellinis Film handelt, hat er einen komödiantischen Unterton. In den Szenen, die Lynch nach dem Film gestaltet hat, ist davon nur wenig zu spüren – die Figuren wirken wie verloren, gleichsam ausgesetzt in einer Welt des Verfalls.

Sehr treffend nannte die Kunsthistorikerin Sarah Haugeneder in ihrer Einführung zur Ausstellung denn auch Franz Kafkas „Verwandlung“ als eine Inspirationsquelle Lynchs, der ursprünglich Maler werden wollte und in Philadelphia Kunst studiert hat. Erst über den Umweg des Kunstfilms fand er den Weg nach Hollywood. Zeichnungen, Malerei und Collagen begleiteten aber sein cineastisches Schaffen. Vor zehn Jahren entdeckte Lynch die Lithografie für sich. Die sehenswerte Ausstellung voll düsterer Schönheit präsentiert sowohl frühe als auch jüngste Arbeiten.

Bis 9. Juni

Zu sehen ist die Ausstellung in der Klepperstraße 19 bis 9. Juni, Donnerstag bis Samstag von 14 bis 17.30 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 17.30 Uhr.

Artikel 3 von 11