Sisyphos im Büro

von Redaktion

Absurdes Unterhaltungstheater des japanischen Duos Engawa im Tam-Ost

Rosenheim – Ein ganz normaler Büroalltag zweier „Office Ladies“: Beide tragen gleiche Kleidung, gleiche Frisur, gleiche Aktentaschen, beide agieren in den gleichen Haltungen und mit den gleichen Gesten, beide stellen ihre Aktentaschen an das Stuhlbein, beide schreiben, unterschreiben, streichen an und streichen durch. Beide nehmen an Meetings und Seminaren teil, machen gemeinsam Bürogymnastik, buhlen um die Aufmerksamkeit des Chefs, flirten, streiten und versöhnen sich, haben Kopfweh, werden angemacht, vergleichen ihren Bauchumfang und richten danach ihren Apfelverbrauch: eine in ihrer Absurdität hochkomische Reduzierung und damit Entlarvung eines ganz normalen Büroalltages als sinnlose Sisyphos-Existenz.

Das Duo Engawa (Otone Sato und Masako Ogura) aus München, das auf Einladung des Fördervereins Städtepartnerschaft Ichikawa-Rosenheim im Tam-Ost auftrat, gestaltet fast stumm, mit viel Körpersprache und exzellenter Körperspannung den ganz normalen Büroalltag – bis auf die Tatsache, dass heutzutage fast nichts mehr mit der Hand auf Papier geschrieben, sondern nur noch auf Computer-Tastaturen gehämmert wird.

Fast stumm: Die beiden jungen Damen verständigen sich nur über ausgestoßene Vokale und erstaunen mit einer enormen Bandbreite der Aussprache eines „Ah!“, eines fragenden „Eh?“, eines spitzen „Ih!“ oder eines erstaunten „Oh!“: eine extrem variantenreiche Sprach-Etüde über Vokale. So funktioniert Theater international.

Erst ganz am Schluss entstehen ganze Sätze, die ahnen lassen, dass die beiden Bürodamen mehr verbindet als die gemeinsame Arbeit: Sind sie vielleicht Stiefschwestern? Haben sie etwa denselben Liebhaber, der gleichzeitig ihr Chef ist?

Die Zuschauer verfolgten gebannt und wissend-anteilnehmend diesen pantomimischen Büroalltag und diese vokale Sprach-Etüde und sparten am Ende nicht mit Applaus.

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