Sehnsucht nach dem Paradies

von Redaktion

Galerie Markt Bruckmühl zeigt Arbeiten von Melanie Siegel und Stefanie Hofer

Bruckmühl – Im 25. Jahr ihres Bestehens wurde am Wochenende in der Galerie Markt Bruckmühl eine bemerkenswerte Kunstausstellung mit dem Titel „Gibt es das auch in Gelb?“ eröffnet. Zu sehen sind die Arbeiten von zwei Künstlerinnen, die sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur beschäftigen.

Melanie Siegel präsentiert ihre Malerei. Die Bilder zeigen die ordnenden Eingriffe des Menschen in Landschaften, aber auch die Renaturierung urbaner Gefüge durch die Natur selbst. Ihr Thema ist die Eroberung des menschlichen Lebensraums, durch Schaffung ordnender Strukturen, durch verändernde Gestaltung und Domestizierung der Natur.

Die Vogelperspektive ist eine ideale Ausgangsposition für Melanie Siegel. Sie abstrahiert und ergänzt, wo die Inspiration die Realität idealisiert. Im Ergebnis zeigt sie konstruierte Landschaften, die zur selbst empfundenen Ideallandschaft komponiert wurden. Das Einfügen von beispielsweise Strommasten, Überlandleitungen und Hochhäusern lässt die ansonsten schöne Natur im Sinne einer „zeitgenössischen Romantik“ neu erleben und bewerten. Eine durchaus philosophische Betrachtung des Themas.

Dies alles geschieht durch Hilfsmittel wie Google Maps und Fotos von Erlebtem. Die Sujets sind deshalb nicht selten „Fundstücke“ aus dem täglichen Leben. Im Malprozess wird das Erlebte oder Entdeckte durch Assoziation und Verfremdung neu geordnet und definiert. Es entsteht eine Komposition aus Realität und persönlicher Sichtweise der Dinge.

Melanie Siegel, zunächst ausgebildet zur Bühnenmalerin, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Karin Kneffel. 2018 war sie Preisträgerin der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe, 2019 erhielt sie das Arbeitsstipendium der Stadt Bremervörde.

Stefanie Hofer präsentiert in der Galerie Markt Bruckmühl ihre Druckgrafiken. Ihre Arbeiten gewähren Einblicke in Landschaftsgärten und -gestaltungen von Künstlern, Lyrikern und Architekten aus unterschiedlichen und internationalen Lebensräumen. Die Gestaltung dieser Gärten ist stark vom Bauhaus-Stil geprägt. Der Garten und die Natur werden zum Kunstobjekt, durch Gestaltung und Neuordnung des Menschen im Kontext mit der jeweiligen Zeit.

Der angewandte Tiefdruck bietet Stefanie Hofer die Möglichkeit, ihr zeichnerisches und präzises Arbeiten mit dem freien, malerischen und gestalterischen Verfahren der Aquatinta-Technik zu verbinden.

Diese Gärten erfahren durch die Sichtweise und akademische Herangehensweise von Stefanie Hofer eine neue Dimension. Sie formt sie zu Refugien, zu ausgesprochen privaten Orten des Rückzugs, aber auch des Angriffs. Sie überdreht die reale Natur, ohne die Architektur zu verändern. Sie gruppiert Pflanzen an anderen Stellen und arbeitet vorzüglich mit Licht und Schatten. So gelingt es ihr, mit der Sehnsucht nach dem Paradies, Orte höchster Intimität zu zaubern. Durch ihr akribisches Arbeiten geschieht es nicht selten, dass die Erarbeitung eines Werkes Monate in Anspruch nimmt.

Stefanie Hofer studierte nach der Ausbildung für Holzbildhauerhandwerk an der Akademie der Bildenden Künste in München zunächst bei Albert Hien. Bei Professor Karin Kneffel schloss sie 2015 ihr Studium als Meisterschülerin ab.

Bis 16. Juni

Die Ausstellung in der Galerie Markt Bruckmühl, Sonnenwiechser Straße 10, ist noch bis zum 16. Juni zu sehen, mittwochs von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis
18 Uhr.

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