Rosenheim/Wien – Unter dem Titel „… Deine Lise“ hat der in Rosenheim geborene Autor und Musiker ein Audiobuch über die Physikerin Lise Meitner, einer Pionierin der Kernphysik veröffentlicht. Sie musste 1938 aufgrund ihrer jüdischen Abstammung emigrieren. Im Audiobuch findet sich der Briefwechsel zwischen Meitner und dem Physiker Otto Hahn sowie die Korrespondenz mit ihrem Neffen, dem Kernphysiker Otto Robert Frisch, Werner Heisenberg, Max Planck und anderen. Morgen, Donnerstag, findet um 20 Uhr im Tam-Ost eine Lesung aus dem Audiobuch statt. Die OVB-Heimatzeitugen haben mit dem Autor gesprochen.
Lieber Herr Frankenberger, Sie sind ja gebürtiger Rosenheimer, leben jetzt aber in Wien. Was hat Sie dorthin verschlagen?
Einerseits die vielen kulturellen Möglichkeiten, die eine Großstadt bietet, andrerseits der lockere Zugang zu den Dingen überhaupt, den man in Wien so pflegt. Mich hat immer diese Mischung aus Alt und Neu fasziniert. Man wandelt da durch die Jahrhunderte und hat trotzdem das Gefühl, dass man in der Gegenwart ist und nicht in einem Museum oder einem Touristenghetto.
Auf Ihren Audiobüchern firmieren Sie als „freischaffender Künstler, Produzent, Autor und Vortragender“. Was davon ist Ihre Hauptaktivität?
Es geht alles fließend ineinander über. Man ist ja nicht Produzent, ohne auch kreativ zu sein. Ich seh‘ das alles als ein Konzept. Ich bin da recht breit aufgestellt, mach dieses und jenes, und aus manchem entwickelt sich dann was Größeres, andere Dinge verlaufen eher im Sand. Ich betrachte jedenfalls alles, was ich mache, sowohl künstlerisch als auch publizistisch, in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. Denn Kunst findet nicht im luftleeren Raum statt. Und ich betrachte es auch als essentiell, dass man Kunst, sowohl Musik als auch Texte und Wissenstransfer, zugänglich macht, und zwar nicht nur einer sogenannten Elite, sondern auch den Leuten auf der Straße, und deswegen waren meine Sachen immer sehr stark orientiert an Öffentlichkeitswirksamkeit.
Sie sind ja auch Musiker. Können Sie uns auch davon etwas erzählen?
Ich bin eigentlich in erster Linie Musiker. Alles andere, was ich mache, sind Derivate aus meiner musikalischen Tätigkeit. Musik ist quasi meine Heimat, mein Ausgangspunkt, und alles, was ich tu, entwickelt sich aus daraus.
Was für Instrumente spielen Sie?
Ich hab angefangen mit Schlagzeug, das war mir dann aber bald zu wenig, ich habe dann alle Instrumente, die in meiner Nähe waren, also Gitarre, Klavier, Bass, mir auch angeeignet, ich spiel alles auf keinem virtuosen Level, aber ich kann damit Platten aufnehmen.
Sie produzieren „Audiobücher“. Was unterscheidet Ihr „Audiobuch“ von einem Hörbuch?
Ich definiere „Audiobücher“, so wie ich sie mache, als Projekte, in denen sich Text und Klang auf der gleichen Ebene begegnen. Ein Hörbuch ist der klassische Fall: Ben Becker liest die Brüder Grimm. In meinen Fällen bewegen sich Musik und Text parallel und greifen ineinander über. Das, was ich aufnehme, findet sich im Textbuch von dem Buch dann nicht, das muss man wirklich anhören, man kann es nirgends nachlesen.
Auf Ihren Hörbüchern sprechen renommierte Schauspieler wie Elisabeth Orth und Cornelius Obonya vom Wiener Burgtheater. Wie kommen Sie an diese hochkarätigen Schauspieler?
Durch Kontakte. Das sind die kurzen Wege in Wien. Jeder kennt jeden oder über drei Ecken. Wien ist zwar eine Millionenstadt, aber in gewissen Zirkeln weiß man, wen man fragen muss. Den Cornelius Obonya hab ich zufällig kennengelernt. Bei der Elisabeth Orth hab ich einen befreundeten Schauspieler gefragt, der kennt sie über das Burgschauspiel-Ensemble persönlich, die war dann sofort begeistert von der Idee, weil sie sich sehr um die Belange der Frauen bemüht und Präsidentin der Liga gegen den Antisemitismus ist.
Haben Sie schon neue Pläne?
Zunächst versuche ich, mein Audiobuch über die Lise Meitner auf dem amerikanischen Markt zu platzieren. Der ist wesentlich dynamischer und größer. Lise Meitner ist nämlich in den USA weit bekannter als bei uns. Und ich arbeite gerade an meinem neuen Musik-Album.
Wirken Sie mit im Tam-Ost?
Ich gehe natürlich auf die Bühne, um begrüßende Worte an das Publikum zu richten und eine kurze historische Einleitung zu geben, aber dann werde ich mich hinter den Computer setzen und die beiden Sprecher mit Musik versorgen. Und hinterher gibt’s hoffentlich noch ein Gespräch mit dem Publikum!
Interview: Rainer W. Janka