Mühldorf/Egglkofen – Mit LaBrassBanda war der aus Egglkofen stammende Posaunist Manuel Winbeck schon einmal im deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Mit seinen Bandkollegen von Monobo Son, Severin Rauch und Korbinian Waller hat er für die OVB-Heimatzeitungen den ESC angesehen. Hier sind ihre „Votes“:
„Wir haben uns den Wettbewerb komplett durchgeschaut. Wir haben keinen Fernseher daheim. Es ist eine krasse Erfahrung: Die ersten zehn Minuten lang waren wir vollkommen überfordert. Es gab viele Informationen und die ganze Show war vollkommen überdreht. In Kombination mit den Kostümen kam uns der Wettbewerb vor, wie die Hunger Games im Film »Die Tribute von Panem“«. Es ging teilweise zu, wie in einem Science-Fiction-Film.
Wir haben durch die aufwendige Show länger gebraucht, bis wir uns auf die Musik einlassen konnten. Die Show außenrum war ja bei allen Kandidaten sehr wichtig. Da kommt man sich vor, als wäre man ein bisschen zu alt für diese Aufmachung? Das ganze Brimborium hat es schwer gemacht, sich auf die Musik zu konzentrieren. Das haben wir uns bei vielen Beiträgen gedacht.
Was wir schade fanden, ist, dass die Musik vom Band kam. So eine Einzigartigkeit des Moments gehört eigentlich dazu. Mit Playback geht das aber nicht. Ich glaube, jeder Beitrag hätte durch eine Live-Performance einer Band oder eines Orchesters gewonnen.
Die erste Künstlerin zum Beispiel war wahnsinnig aufgeregt, hatte aber eigentlich eine gute Ausstrahlung. Wir glauben dass sie mit Musikern an ihrer Seite auf der Bühne, die auf sie hätten eingehen können, besser rübergekommen wäre. Durch das Halb-Playback war der Wettbewerb eher eine Frage, wer besser mit der Situation zurechtkommt. Man hat bemerkt, wer Routine hat, und wer nicht. Emotional haben uns die Lieder deswegen einfach nicht so abgeholt.
Mit dem Halb-Playback kam offensichtlich auch Madonna nicht klar. Ihr Auftritt hinterlässt bei uns schon ein Fragezeichen. Man weiß zwar, dass Madonna nicht wegen ihrer Jahrhundert-Stimme weltbekannt geworden ist. Aber sie hat auch keine Emotion gezeigt. Wenn wir bei einem Auftritt merken, dass es technische Probleme gibt, dann versuchen wir, es durch Emotionalität auszugleichen. Das hat sie aber nicht. Lustigerweise kam beim Voting etwas ganz Ähnliches raus, als wir erwartet haben. Unsere Einschätzung war gar nicht so weit weg. Für uns hätte allerdings der italienische Beitrag die Nase vorn gehabt. Das Lied hat uns am besten gefallen. Der Sänger hat uns auch als Typ gut gefallen. Als dann die Stimmen abgegeben wurden, hat er sich sehr im Hintergrund gehalten und sich nicht vor die Kamera gedrängt.
Der holländische Song war für uns nicht ganz vorn. Aber wir verstehen, dass das Gesamtkonzept die Leute überzeugt hat. Das Lied ging gut ins Ohr und die Bühnenshow hat dazu beigetragen, dass es insgesamt stimmig war. Wahrscheinlich war es auch die teuerste Produktion. Aber uns hat das geschmacklich nicht so abgeholt wie der italienische Beitrag.“ Aufgezeichnet von Katharina Ober