Wasserburg – In wenigen Tagen, am 29. Mai, beginnen wieder die Wasserburger Theatertage. Das Festival hat Tradition: Schon zum 15. Mal versammelt das Wasserburger Theater Privatbühnen aus ganz Bayern. Der Reigen der täglichen Vorstellungen endet am 9. Juni mit einer Preisverleihung. Die OVB-Heimatzeitungen befragten den Wasserburger Theaterchef und Organisator Uwe Bertram.
Herr Bertram, sind Sie zufrieden mit dem Vorverkauf?
Ja. Wir rechnen mit 1500 Besuchern – mehr geht bei insgesamt zwölf Abenden und 150 Sitzplätzen ja auch nicht.
Haben Sie Erfahrungen aus dem letzten Jahr in das aktuelle Programm einfließen lassen?
Wir machen unser Programm jedes Jahr neu. Manche Theater kommen immer wieder, manche nicht. Wir sehen uns die Bewerbungen an, und daraus stellen wir das Angebot zusammen. Wir versuchen auf jeden Fall, für Abwechslung bei den Vorstellungen zu sorgen. Wir haben diesmal auch alle Stücke vorher angeschaut. Wir müssen vermeiden, dass es vier oder fünf Zwei-Personen-Abende in Folge gibt. Es kommt auch vor, dass sich zwei Theater mit demselben Stück bewerben. Zweimal Woyzeck hintereinander – das macht keinen Sinn.
Bieten Sie auch Stücke für Kinder an?
Nein. Das geschieht mit Absicht. Es gibt in Bayern ja schon zwei oder drei Theaterfestivals nur für Kinder. Das müssen wir nicht auch noch tun.
Welche Trends können Sie beim Theater ausmachen?
Für mich ist jede Form von Theater herzlich willkommen. Die Theatermacher leben ja in unserer heutigen Zeit, in unserer Gesellschaft, sie erkennen Thematiken und machen daraus ihre Stücke. Kein Theater sagt, wir machen jetzt etwas ganz Langweiliges, das nichts mit uns zu tun hat und wo hoffentlich keine Leute kommen.
Muss das Theater einem gewissen intellektuellen Anspruch genügen, um ernst genommen zu werden?
Wenn wir uns in Wasserburg überlegen, welches Stück wir spielen, machen wir uns nicht über den intellektuellen Gehalt Gedanken, um eine Wertigkeit herzustellen. Uns geht es um andere Fragestellungen.
Würden Sie jeden Tag den „König der Löwen“ spielen, um Besucher anzulocken?
Wir haben hier schon das Dschungelbuch aufgeführt. Natürlich, ich kann mich auch mit „König der Löwen“ beschäftigen, da gibt es kein Ausschlusskriterium. Die Bühnen, die Musical spielen, arbeiten freilich nach anderen Gesetzmäßigkeiten als subventionierte Theater.
Kann ein kleines, ambitioniertes Theater wie das Ihrige ohne Subventionen leben?
Die Subvention ist dazu da, uns bis zu einem gewissen Prozentsatz von den reinen Marktbedingungen zu befreien. Es gilt das Prinzip: Schaut nicht zuerst darauf, dass ihr die Hütte vollkriegt, sondern ihr könnt euch auch mit anderen Themen beschäftigen. In Europa ist Deutschland ein Schlaraffenland für die subventionierten Theater. Das leisten wir uns noch, Gott sei Dank.
Was würde eine Eintrittskarte ohne Subventionen kosten?
Bei unseren 150 Plätzen mehr als 200 Euro. Das zahlt keiner.
Ist das Wasserburger Festival tatsächlich ein kultureller Höhepunkt für die Region? Freuen Sie sich drauf?
Immer. Ein Selbstläufer ist es zwar nicht, aber wir haben eine Methode gefunden, dass wir kostendeckend arbeiten und in Wasserburg zehn Gasttheater vorstellen können. Dazu kommt, dass sich die Theatermacher untereinander treffen können. Da sind auch extrem schräge Typen dabei.
Interview: Winfried Weithofer