Ansprechend und anspruchsvoll

von Redaktion

Glanzvolles Abschlusskonzert der Bad Endorfer Orgelwochen mit festlicher Barockmusik

Bad Endorf – Festlich-beschwingt gingen die diesjährigen Bad Endorfer Orgelwochen mit Johann Sebastian Bach, Paolo Salulini und Joseph Michael Haydn zu Ende. Kirchenmusikerin Judith Trifellner-Spalt, die auch das Abschlusskonzert souverän dirigierte, hatte das ansprechende und anspruchsvolle Programm zusammengestellt.

Johanna Trifellner, Kulturpreisträgerin 2017 des Landkreises Rosenheim, 1. Bundespreisträgerin bei Jugend musiziert und Gerade-Noch-Abiturientin, entfaltete virtuos die diversen Klangfarben ihrer Kastenzither beim Konzert für Hackbrett und Orchester von Paolo Salulini. Reinster Barock, den Johanna Trifellner im Andante-Satz kunstvoll mit Abständen zwischen den Tönen und ihrem Nachklang auskostete, und barocke Leidenschaft, mit der sie im finalen Allegro-Satz federleicht-heiter die Schlegel über die Saiten tanzen ließ.

Vor dem gefälligen Instrumentalwerk kam die Bachsche Kantate zur Ratswahl BWV 119 „Preise, Jerusalem, den Herrn“ mit großem Orchester, Solisten und Chor zur Aufführung. Bach monumental sozusagen, muss sich der Chor doch facettenreich vom gravitätisch-feierlichen Eingangschor – wenngleich sich der Jakobus-Chor erst auf den höfisch-beschwingten Charakter, den das Orchester angestimmt hatte, einschwingen musste – bis hin zum finalen, beinahe schlicht wirkenden Gebetschoral bewegen.

Die Tenorarie „Wohl dir, du Volk der Linden“ bot Bernhard Berchtold, nur begleitet von zwei Oboen (großartig Maria Kaltenbrunner und Sophia Hörberg) und Continuo (souverän an der Truhenorgel Franziska Maier), beinahe huldigend dar. Nicht minder einfühlsam und umschmiegt von dunklen Holzbläserklängen (grandios Christine Sedlmeier und Christine Schreier) war Bassist Thomas Hamberger in seinem Rezitativ über „Herz und Gewissen“. Machtvoll hingegen dann seine Stimme, als er zusammen mit Trompeten- und Paukenklängen die Herrlichkeit der Stadt besang.

Beinahe nach innen gerichtet gestaltete Monika Wäckerle ihre Alt-Arie „Die Obrigkeit ist Gottes Gabe, ja selber Gottes Ebenbild“, tänzerisch umrankt von den beiden Blockflötenstimmen plus Continuo. Das Sopran-Rezitativ, in dem Koloratur-Sopranistin Christina Gerstberger in schlankem Ton zum Dank aufrief, mündete attacca in den Chorsatz „Der Herr hat Guts an uns getan“, eine Fuge, die der Chor strahlend und prächtig gestaltete.

Die Missa Sanctae Ursulae für Soli, Chor und Orchester – besetzt mit zwei Trompeten, Pauken und dem sogenannten Salzburger Kirchentrio (zwei Geigenstimmen, und Basso continuo, das heißt Cello, Kontrabass, Fagott und Orgel) – aus der Feder Johann Michael Haydns krönte die Bad Endorfer Orgelwochen. Die Missa solemnis komponierte der Mozartsche Zeitgenosse für die musikbegabte Nonne Sebastiana Oswald im Frauenchiemseer Münster und trägt deshalb auch den volkstümlichen Namen Chiemsee-Messe.

Ergreifend, wie der Chor dem Kyrie-Ruf der Sopranistin antwortete. Wunderbar, wie der Chor das „Hosanna“ rhythmisch akkurat dem Sanctus und später dann dem Benedictus folgen ließ. Eindrücklich, wie erst die Solisten im Credo die Passion Jesu bis zur Grablegung „et sepultus est“ nacherzählten, ehe der Chor freudig von der Auferstehung „et ascendit in caelum“ sang. Und bestechend die Mehrchörigkeit, erzeugt da von der Gruppe aus Solisten und kleiner Orchestrierung und dort von Chor und vollem Orchester.

Judith Trifellner-Spalt gelang es aufs Vortrefflichste, die Raffinessen der Messe herauszuarbeiten. Das Orchester unter Leitung von Konzertmeisterin Laura Geisler spielte locker, der Chor ließ es an Konzentration nicht fehlen.

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