Ein Haus voll Glorie schallet

von Redaktion

Der Liederkranz Rohrdorf feiert sein 100-jähriges Bestehen mit Dvoraks Messe D-Dur

Rohrdorf – Ein Jubiläum im Doppelpack: Vor 100 Jahren wurde der Liederkranz Rohrdorf gegründet; seit 50 Jahren betreut als Chorleiter Hans Wagner diesen „Kranz“ und sorgt erfolgreich dafür, dass er musikalisch immer wieder frisch grünt und die Blumen nicht welken, sondern ihre farbige Strahlkraft unvermindert behalten. Aus Mauerblümchen besteht dieser Chor wahrlich nicht!

Antonin Dvoraks zum Teil innig romantische, aber auch machtvoll auftrumpfende Messe D-Dur, Opus 84 zählt noch mal 30 Jahre mehr als der Liederkranz und ist ebenso taufrisch wie am ersten Tag. Der Komponist hatte sie für Chor, Solisten und Orgel konzipiert, später schrieb er dann noch eine Orchesterfassung. Die Orgelbegleitung hat es also in sich, doch der unglaublich versierte Bad Aiblinger Konrad Liebscher wusste aus der Königin der Instrumente alles herauszuholen: Mit mächtigen Registern gab er dem Chor eine solide Basis und ließ konzertante Partien in feinen Farben leuchten – man meinte bei dieser Klangfülle doch fast, ein Orchester zu hören!

Die Aufführung der Messe fand im Rahmen eines Festgottesdienstes in der vollbesetzten Pfarrkirche Sankt Jakob statt. Orgel und Chor waren auf der obersten Empore postiert, und so flutete der Klang Raum füllend und mächtig auf die Zuhörer herab: Ein Haus voll Glorie schallet…

Hans Wagner hat hörbar Feinarbeit geleistet; schon das An- und Abschwellen der Lautstärke im „Kyrie eleison“ demonstrierte, dass die Sänger dem Dirigenten auf den Millimeter parierten. Der bestens präparierte Chor sang beherzt und zupackend, er schwächelte auch nicht bei so turbulenten polyphonen Steigerungen wie am Ende des „Gloria“ bei Nennung des Heiligen Geistes. Trotzdem blieb das Klangbild durchsichtig und jede Stimme für den Hörer nachvollziehbar.

Ein Extralob den hauseigenen Solisten, die stimmlich in Führung gingen, in allen Lagen präsent blieben und mit warmer Stimme beglückten: Christl Westner (Sopran), Gertraud Wiesböck (Alt), Winfried Thalmeier (Tenor) und Helmut Wiesböck (Bass).

Nach einigen Fortissimo-Orgien, welche die Mauern schier erzittern ließen, endete Dvoraks Messe im „Agnus Dei“ zart und doch pastos, vom Chor keinesfalls zaghaft, sondern mit gut gestützter Stimme überzeugend im Pianissimo realisiert. Ergreifend! Dafür ließ Konrad Liebscher den Festgottesdienst mit einem furiosen Nachspiel ausklingen, in dem er ein letztes Mal alle Register zog. Herzlicher Beifall! Wir wünschen dem Liederkranz vorerst weitere 100, dem Chorleiter Hans Wagner zumindest weitere 50 Jahre erfolgreichen Wirkens!

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