Ein ökologisch korrektes Paar

von Redaktion

Wasserburger Theatertage Metropoltheater mit raffiniertem Kammerspiel

Wasserburg – Mit „Atmen“ traf das Gastspiel des Metropoltheaters München bei den Theatertagen genau den Nerv der Zeit. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Paares, dessen Liebe an der Frage, ob es trotz Überbevölkerung, Erderwärmung und Klimawandel noch Kinder in die Welt setzen soll, beinahe zerbricht.

Für „Atmen“ erhielt Duncan Macmillan den Off-West-End-Award für das beste neue Schauspiel, einer der wichtigsten Preise der Londoner Theater. Bereits im Jahr 2013 griff der britische Autor und Regisseur das Thema steigende Kohlendioxidemissionen und deren gesellschaftlichen Folgen dramaturgisch auf. In Macmillans raffiniertem Kammerspiel wird der Klimawandel zur sozialen Frage. Ein junges, umweltbewusstes und eigentlich reflektiertes Paar zweifelt, ob es zu verantworten sei, angesichts drohender globaler Katastrophen ein Kind zu bekommen. Oder sollte man nicht besser auf den eigenen Kinderwunsch verzichten und stattdessen Bäume pflanzen, umweltschonend einkaufen und essen, um den eigenen „CO2-Fußabdruck“ so gering wie möglich zu halten? Im Konflikt zwischen Umweltengagement und Familienplanung entflammt das ökologisch korrekte Paar eine überhitzte Diskussion, an der die Beziehung der beiden schließlich zunächst scheitert.

Regisseur Domagoj Maslov vom Münchner Metropoltheater inszenierte die bemerkenswerte Tragikomödie in rasantem Tempo. Weder den beiden Darstellern Agnes Decker und Benedikt Zimmermann noch dem Publikum blieb Zeit, um durchzuatmen. Stattdessen wurden rund 100 Minuten kommunikative Hochspannung geboten.

Höchste Aufmerksamkeit war notwendig, um den geschliffenen Dialogen des namenlosen Paares zu folgen. Entschädigt wurde man dafür mit einem großartigen Schauspiel, lebensecht, persönlich und dennoch die Problemthemen der Gegenwart in den Fokus nehmend.

Benedikt Zimmermann und Agnes Decker begaben sich in ihren Rollen auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die gerade wegen der vielfach beschriebenen Verständigungsprobleme in Paarbeziehungen so authentisch waren. Als bemerkenswerter Kontrast zur sprachlichen Dynamik standen beide Darsteller auf einem, mit grünem Kunstrasen überzogenen Bühnenpodest. Auf zwei eingebauten Schwingböden konnten die Schauspieler voneinander unabhängig wippen. Erst wurde philosophiert, dann diskutiert und schließlich immer wieder auch gestritten, dass die Fetzen flogen. Emotionen wie Freude und Begeisterung, aber auch Ärger und Aggression wurden nicht wie gewohnt durch Körpersprache, sondern mit mehr oder weniger intensivem Schwingen zum Ausdruck gebracht.

Die gemeinsamen Schlüsselerlebnisse im Leben des Paares wurden im Zeitraffer abgespult.

Immer wieder gab es Momente intensiver Nähe und des Glücks. Doch nach der Euphorie kamen Ernüchterung und Hass und mit ihm das ganze Spektrum der Gefühle, wie es beinahe jeder selbst nur zu gut kennt. Tage, Wochen, Monate und Jahre vergingen. Zwischenzeitig sorgte eine andere Frau für ein Ende der Beziehung.

Aber wie so oft im richtigen Leben fanden die beiden wieder zusammen. Eigentlich wäre die Liebesbeziehung jetzt perfekt gewesen, zumal der Kinderwunsch, wenn auch eher zufällig, erfüllt wurde. Aber nach Phasen des Glücks trennte der Tod das Paar.

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