Feinheiten auf Leinwand und Papier

von Redaktion

Ausstellung „Fineness“ in der Galerie im Wasserburger Ganserhaus

Wasserburg – Zeitgenössische Kunst von Heidrun Eskens und Heiner-Matthias Priesnitz ist in der Gemeinschaftsausstellung „Fineness“ im Ganserhaus zu sehen. Die Gemälde und Zeichnungen fordern Wahrnehmungsprozesse heraus und gehen zugleich an die Grenzen des Wahrnehmbaren.

Heidrun Eskens und Heiner-Matthias Priesnitz haben ihre Ausstellung mit „Fineness“ betitelt. Die Übersetzung aus dem Englischen hält neben „Feinheit“ eine Reihe weiterer Begriffe parat: Feingehalt, Güte, Genauigkeit oder auch Großartigkeit. Alle diese Bedeutungen passen ebenso zur Ausstellung. Der Rundgang durch die Galerie wartet mit großformatigen, abstrakten und farbigen Gemälden auf, die sofort ins Auge fallen. Dazwischen finden sich Hinterglasbilder und kleinformatige Zeichnungen, deren Motive sich erst in unmittelbar physischer Nähe zum Kunstwerk erschließen. Dann wird der Besucher mit einer reduzierten Bildsprache konfrontiert. Der künstlerische Anspruch hingegen ist hoch. Die Divergenz zwischen imposanter Malerei und schemenhaften Zeichnungen schafft einen zusätzlichen Anreiz zu einer detaillierten Betrachtungsweise der Arbeiten.

Heidrun Eskens zeigt auf großformatigen Ölgemälden die Kunst der geometrischen Abstraktion. Ihre Werke haben überwiegend grafischen Charakter. Beobachtet man Eskens Bilder genauer, scheinen sie zu vibrieren. Es entstehen dreidimensionale Strukturen und virtuelle Flimmereffekte. Wabenartige Gebilde verweben sich zu einem Relief. Sie erinnern an Zellmuster, vernetzt und in brillanter Farbigkeit, die eine makroskopische Sichtweise geradezu herausfordern. Eskens verwendet auch serielle Formationen wie ornamentartige Tupfer und rechteckige Muster, die beim Betrachten optische Täuschungen auslösen. In ihrer Ästhetik erinnern die visuellen Phänomene in Eskens Malerei an die Op-Art der 1960er-Jahre und ihren Protagonisten, den französischen Maler und Grafiker Victor Vaserely.

Heiner-Matthias Priesnitz setzt bei seinen Arbeiten ganz bewusst auf eine monochrome Farbgebung und stark reduzierte Kontraste. Deshalb erscheint das Figurative in seinen Bildern von einem hellen und oft gleißendem Lichtnebel umgeben, wie bei einer überbelichteten Fotografie. Priesnitz zeichnet mit Bleistift, Silberstift und Tusche. Bei seinen realen Motiven geht er damit an die Grenzen des gerade noch Wahrnehmbaren; Architektur, Interieurs, Möbelstücke, Stillleben werden in den Siebdrucken oder Bleistiftzeichnungen gerade noch erkannt. Die meisten seiner Arbeiten sind als Bilderserien angelegt, die verschiedene Aspekte und Verläufe eines Motives zeigen. Im Untergeschoss der Galerie ist seine Installation „Schraffieren“ zu sehen und zu hören.

Heidrun Eskens hat an der Akademie der Bildenden Künste München bei Mac Zimmermann diplomiert. Die Malerin lebt und arbeitet in München. Heiner-Matthias Priesnitz stammt ursprünglich aus Breslau. Er hat ebenfalls in München bei Mac Zimmermann und Gerd Winner studiert. Der Zeichner ist im niederbayerischen Velden in der Nähe von Landshut zuhause.

Bis 23. Juni

Die Ausstellung „Fineness“ mit Werken von Heidrun Eskens und Heiner-Matthias Priesnitz ist noch bis 23. Juni in der Galerie im Ganserhaus in Wasserburg, geöffnet jeweils Donnerstag bis Sonntag, 13 bis 18 Uhr.

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