Vielseitig und fordernd auf hoher Ebene

von Redaktion

ARD-Preisträger geben beeindruckendes Konzert im Wasserburger Rathaussaal

Wasserburg – Welches Zusammentreffen! Vor Wochen noch stellten sich Preisträger von „Jugend musiziert“ auf dem Podium des Rathaussaales vor – tapfer im Rampenlicht und wohl auch im Lampenfieber vor zahlreichem Publikum. Jetzt waren es Preisträger auf höchster Ebene des ARD-Wettbewerbs in München, die freiweg in jugendlichem Elan in wohl eben erst erworbener musikalischer Freundschaft ein Programm vorstellten, das vielseitig und auch fordernd war.

So waren Robert Schumanns „Märchenbilder“ für Viola und Klavier, Ernst Kreneks Klaviertriophantasie, Benjamin Brittens „Phantasy Quartet“ für Streichtrio und Oboe, ja auch das seltener gespielte Klavierquartett Schumanns op. 47 durchaus neu für den Zuhörer – Mozarts Oboenquartett mal nicht dazu gerechnet.

Die jungen Leute spielten diese interessanten Stücke so bezwingend, dass auch ungewohnte Töne sich nicht mehr fremd anhören mussten – jugendliche Entdeckerfreude manifestierte sich ungebremst.

Wen soll man hier bewerten, charakterisieren? Die Geigerin Marina Grauman, den Cellisten Marius Urba, den Oboisten Thomas Hutchinson? Alle praktizierten kammermusikalisches Zusammenspiel der edelsten Art – und nicht von ungefähr wird diese Disziplin beim ARD-Wettbewerb als eigenständiges Merkmal prämiiert.

Vielleicht darf man aber doch etwas hervorheben: Was die Pianistin Vita Kan am sonst so dominanten „Bösendorfer“ zauberte, war an Zartheit, Eleganz, Einfühlsamkeit kaum zu überbieten. Andererseits tauchte Dijang Mai die sonst oft im Schatten des musikalischen Geschehens stehende Viola in machtvolles Licht, erlangte gar in Schumanns Quartett dank seines Ausdruckswillens eine tragende Rolle – ein einmaliges Temperament!

Lassen wir die Werke Revue passieren: Die „Märchenbilder“ von Robert Schumann, ein Spätwerk, sind durchdrungen vom Liedgesang des Frühwerks; die Viola begleitet, ergänzt, spinnt den melodischen Faden des Klavierparts fort – und da verstand es Dijang Mai, die Tiefenqualität seines Instruments zu nutzen.

Kreneks Phantasie, ja, die mutete an wie Schumann-Nachfolge in verschleierter Tonalität. Aus dem Pianissimo heraus bilden sich Strukturen, ja Melodien, und die drei spielten so frisch, als hätten sie das Werk sich gerade erst erschlossen und damit gaben sie ihre Entdeckungen weiter ans Publikum.

Mozarts Oboenquartett perlte als gewohnte Klassiknummer problemlos heiter. Der Komponist hatte in spitzbübischer Manier seinem Oboenfreund Passagen in schwindelnder Höhe zugedacht – Thomas Hutchinson vollzog souverän.

Benjamin Brittens Modernität ist kaum einzuordnen, ist immer eigenständig – man könnte befinden „insular british“. Was hieße das? Immer vom Melos her bestimmt, ob im Piano oder Forte, und dabei voller Formenreichtum und Raffinesse. Jetzt durfte die Oboe auch tief klingen, und wem diese Musik fremd wäre: Sie wurde von diesen Preisträgern so selbstverständlich musiziert, dass man als Zuhörer fasziniert bravo rufen könnte.

Nun aber Schumanns Opus 47: Das war einfach ein Fest der Kammermusik, das außer der Kunst des Zusammenspiels von jedem Spieler Höchstes forderte, und was vorher in gezügeltem Enthusiasmus über die Bühne ging, fand sich am Ende bestätigt in einem Rausch romantischen Überschwangs.

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