Aschau – Festlich, fein abgestimmt waren die barocken Kostbarkeiten, die erst in kleiner kammermusikalischer Besetzung, dann in größerem Ensemble, unterbrochen durch kurzweilige Fugen an der großen Orgel in der Aschauer Pfarrkirche beim 25. Aschauer Kirchenkonzert erklangen. Aber wa ren keineswegs beliebige und sich wiederholende Barockmelodien, nein, denn Robert Stufler, dem Initiator, Veranstalter, Komponisten und Kontrabassisten der Sinfonia Aschau, war es wieder gelungen, Perlen aus der barocken Schatzkiste zu bergen. Sei es bei der „Aria sopra la bergamasca“ des italienischen Komponisten Mario Uccellini für zwei Violinen (Bernhard Lorenz und Rupert Schäffer) und Basso continuo (am Cello Michael Schroeter und an der kleinen Orgel Barbara Sommer), sei es bei „La Basque“ des spanischen Komponisten Marin Marais, sei es beim Concerto in A-Dur für Solo-Cello (besonders überzeugend im Largo-Satz: Goetz van der Bey) oder bei der „Bassacaglia“ in C-Dur von Romanus Weichlein – alles individuelle musikalische Kunstwerke, zu Unrecht vergessen oder bislang zu wenig beachtet, und die nun in der Aschauer Kirche aufgeführt wurden.
Die „Altmeister“ des Barock, Georg Philipp Telemann, Valentin Rathgeber und Georg Friedrich Händel durften natürlich nicht fehlen. Und auch hier lohnte das genaue Zuhören, entfalteten doch das klangschön und mit sauberer Intonation aufspielende Kammerorchester samt souveräner Begleitung an der kleinen Orgel, die ausdrucksstarken Sänger und die eindrucksvolle Orgelmusik (großartig hier Christine Klinger) den Facettenreichtum der Barockmusik.
Bei der Marienmotette op.10 Nr. 15 von Rathgeber nahm man Tenor Rupert Schäffer, und seinen Begleitern, den Streichern und der Basso continuo-Gruppe da durchaus die Ehrfurcht vor der Gottesmutter ab. Die Psalmkantate „O sing unto the Lord“ für Sopran, Tenor, Bass, Klarinette, Streicher und BC, HWV 249 zum Konzertabschluss war das Tüpfelchen auf dem i: Die abwechslungsreiche und eigenständige Orchesterbegleitung verlieh den passenden Rahmen für die drei Solisten Martina Bindl (Sopran), Rupert Schäffer (Tenor) und Klaus Maier (Bass), deren klare Stimmen dem Werk feierlichen Glanz verliehen. Barock, wie er nicht schöner hätte sein können – und doch gab es mitten im Konzert einen Moment, der das ansprechende Konzert zu einem außergewöhnlichen Musikereignis auffächerte. Diesen Twist versetzte die Kantate „Zu Christi Himmelfahrt“ für Sopran, Streicher und Orgel, eine Eigenkomposition von Robert Stufler (Jahrgang 1937). Da schwang sich Martina Bindls glasklarer Sopran über die ausgehaltenen Noten der Streicher, da sorgten die instrumentalen Zwischenspielen durch die unregelmäßigen Rhythmen und Wechsel in den Tonarten für Abwechslung – vom beginnenden Quartvorhalt in d-Moll bis hin zum erlösenden Fis-Dur und dem „Halleluja“ war alles geboten. Ein eigenwilliges Werk, das gerade durch den Kontrast zu den gefälligen Barockklängen das Konzert belebte.