Im Baulärm untergegangen

von Redaktion

Wasserburger Theatertage Das Burghausener „Cabaret des Grauens“ zeigt die Tragikomödie „Indien“

Wasserburg – Mit der Tragikomödie „Indien“ unter der Regie von Chiara Nassauer hat das Burghausener „Cabaret des Grauens“ ein Stück auf die Bühne des Wasserburger Theaters Belacqua gebracht, das sich eng am Kultfilm mit den Kabarettisten Alfred Dorfer und Josef Hader orientiert. Kurt Fellner (Patrick Brenner) und Heinz Bösel (Sascha Ciric) reisen durch die Provinz von Wirtshaus zu Wirtshaus, um die Qualität von Bier und Schnitzel zu testen und Brandschutztüren zu überprüfen.

Fellner ist ein biederer, spießiger Angestellter, der sein Gegenüber permanent mit Vorurteilen über fremde Völker zutextet, der wortkarge, Schnitzel verschlingende Bösel hingegen ungehobelt und vulgär. Mit der Zeit kommen sich die beiden näher. Fellner erzählt seinem Kollegen, dass ihn seine Frau betrügt, Bösel wiederum zieht über seine Frau her, „bei der alles so fett ist, selbst das Essen“. Als Bösel in Anwesenheit von Fellner seine Notdurft verrichtet, wechseln die beiden sogar zum Du.

Das Stück lebt von den gegensätzlichen Charakteren der Protagonisten und der Absurdität der Dialoge. Bereits die Eingangsszene, als Bösel rülpsend und schmatzend ein riesiges Schnitzel in sich hineinstopft, von der Gabel gefallenes Essen wieder vom Boden aufklaubt und auf den gestelzten Wortschwall Fellners zunächst gar nicht reagiert, belustigte das Publikum. Manchmal erinnerten die in den Raum geworfenen, zusammenhanglosen Sätze an Szenen aus Sketchen von Loriot, etwa, als Fellner Bösel fragt, ob er Gesellschaftsspiele mag. Immer wieder versucht Bösel, dem fassungslosen Fellner und dessen penetranter Fragerei auszuweichen, was die Regie in pantomimischen Bildsequenzen gut umgesetzt hat.

Etwas holzschnittartig wirkte der philosophische Teil nach der Pause, als Fellner plötzlich todkrank im Bett liegt und Bösel sich rührend unbeholfen um ihn kümmert. Fellners Wunsch, eine Reise nach Indien zu machen, wird ihm nicht mehr erfüllt. Die hilflose Frage „Warum ich?“ bringt den einsamen Fellner zur Raserei und Verzweiflung. Seine Antwort auf die Frage, was denn nun wirklich wichtig sei im Leben, geht schließlich im Baulärm des Krankenhauses unter. Für ihre schauspielerische Leistung erhielten die beiden Protagonisten vom Publikum anhaltenden Beifall.

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