Kammermusik in der Bootshalle

von Redaktion

Nightingale-Konzert auf dem Werftsteg der Chiemsee-Schifffahrt unter fast freiem Himmel

Prien – Kammermusik in der Bootshalle – schon allein die Ankündigung machte neugierig und entsprechend groß war der Andrang zum Eröffnungskonzert der diesjährigen Konzertreihe Nightingale in der Werft der Chiemsee-Schiffahrt. Bariton Thomas Schütz, Initiator und Leiter der Konzertreihe, Christoph Schnackertz, Nachwuchsstar unter den Liedpianisten, und Christian Loferer, Hornist der Bayerischen Staatsoper in München, musizierten auf einem überdachten Steg unter dem Motto „Naturfreiheit“ – unverstellter Blick auf Chiemsee und Berge inklusive. Da flossen Wellenspiel und Vogelgezwitscher in die Musik mit ein, da zog sich das Thema Wasser als roter Faden durch das Programm mit romantischen Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Schubert, Robert Schumann, Franz Lachner, Johannes Brahms, Carl Loewe und Giacomo Meyerbeer. Eine feine Auswahl hatten die Künstler da getroffen, und sich in diesem außergewöhnlichen Ambiente auf die ansprechenden Texte und Melodien einzulassen, war ein Vergnügen. Thomas Schütz gelang mit seiner charakteristischen Stimme jeweils die richtige Nuancierung. Gerade noch wähnte man sich im Liebesglück der Königin beim Kunstlied „Der Zwerg“ von Schubert, dann wandelte sich Schütz‘ warmer Bariton in wuchtvolle Dramatik, wenn der Zwerg seine Königin verflucht, und wurde wieder inständig: „Ihm brennt nach ihr das Herz so voll Verlangen.“ Dazu der Flügel in völliger Symbiose mit dem Sänger – von weich über hämmernd hin zu sehnsuchtsvoll: Schnackertz war der perfekte Begleiter.

Eindrucksvoll war beispielsweise auch die märchenhafte Verherrlichung der Musik beim Kunstlied „Der Nöck“ von Carl Loewe, bei der Schütz mit prägnanter Diktion die Sinnbögen herausarbeitete, während Schnackertz mit harten Akzenten die Untiefen klar und biegsam ausleuchtete.

Akzente zwischen den Liedern setzten Horn und Klavier mit dem themen-reichhaltigen Allegro aus dem Es-Dur-Konzert KV 447 für Horn und Orchester (hier Klavier), mit den „Empfindungen am Meer“ von Franz Strauss oder „Am Meer“ von Franz Schubert – auch ohne Worte entstanden da Bilder von Wasser, Wellen und Naturgewalten in den Köpfen der Zuhörer. Bei „Au Bord d’une source (An einer Quelle)“ von Franz Liszt ließ Schnackertz die Töne wie Wassertröpfchen glitzern, da strömte munter das Wasser mit Arpeggien und perlenden Läufen.

Kein Wunder also, dass das Publikum trotz des verhalten endenden Programms – „Dort vielleicht o tröstend Glück, dort beging ich ihrem Blick“ aus „Auf dem Strom“ von Franz Schubert – nach mehr verlangte. Nach dem Kunstlied „Der Schiffer“ von Franz Schubert und dem Klavierrezital „Au lac de Wallenstadt (Am See von Wallenstadt)“ von Liszt endete der Abend in der sommerlichen Dämmerung genau so wie er begonnen hatte: mit einer Improvisation auf dem Alphorn – Kunstgenuss und Naturfreiheit.

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