Poetisch-artistische Tanzperformance im Rampenlicht

von Redaktion

Wasserburger Theatertage Spielwerk Anbach zeigt „Schwarzweiß“ in Anlehnung an Film von Charlie Chaplin

Wasserburg – Assoziationen an die Zeit, in der die Bilder laufen lernten und das Kino die ersten flimmrigen Bilder auf die Leinwand projizierte, kamen hoch, als das Spielwerk Ansbach unter dem Titel „Schwarzweiß“ seine tragisch-komische Performance nach Charlie Chaplin bei den Wasserburger Theatertagen präsentierte. Der Film „Rampenlicht“ stand Pate mit der Geschichte einer verzweifelten jungen Tänzerin, die sich das Leben nehmen will, aber gerettet wird von einem abgehalfterten Clown.

Klar, dass in dem 1950 gedrehten Film Charlie Chaplin im Mittelpunkt stand. Er hat darin sein kritisches Verhältnis zum Publikum thematisiert, mit dem ihn eine Art Hass-Liebe verband. Bei der Performance der Ansbacher geht es jedoch mehr um die junge Tänzerin, deren Beinlähmung psychosomatische Gründe hat. Woher das rührt, ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, wie die zwei Figuren miteinander in Beziehung treten und sich bei aller Ausweglosigkeit gegenseitig Halt geben.

Da erlebt man komische neben poetisch anrührenden Szenen. Zwischendurch entsteht gar eine Atmosphäre der Schwerelosigkeit, in der die beiden artistisch miteinander durch den (Welt-)Raum tanzen und sich dreidimensional umeinander drehen. Manchmal hat man gar den Eindruck von Zeitlupentempo. Alles natürlich in Schwarz-Weiß.

In den wenigen Szenen, in denen die beiden miteinander reden, kommt dann ein golden wärmendes Licht dazu. Und die Geschichte ist ja auch herzerwärmend. „Du musst träumen“, sagt er zu ihr, und was ist Tanz denn anderes als träumen mit den Füßen. Es gehört viel Körpereinsatz dazu, wie Stephanie Roser sich am Boden hereinschleppt mit ihrem großen Koffer, der geöffnet praktischerweise zum Gasherd mutiert, in den sie den Kopf steckt.

Minutenlang verweilt sie im Spagat, weil ihr die Füße immer wieder versagen, wenn er sie hochstellen will. Schön zu sehen, wie sein Zuspruch zu wirken beginnt, und sie mit eleganten Armbewegungen ein balletöses Port de Bras vorführt, das die Ballerina in ihr ahnen lässt. Sie kommt wieder auf die Tänzer-Füße und nun ist es an ihr, ihn, den Gescheiterten, wieder aufzubauen. Das Spiel wird umgedreht. Er bekommt das Tutu und sie setzt seinen Hut auf. Wo er erst sie stemmte, nimmt nun sie sich ihn vor: Sie rollt ihn über ihren Rücken ab, bringt ihn aus dem Gleichgewicht, zwingt ihn zu Pirouetten, und exekutiert eine zwischen Kampfkunst und Slapstick changierende Choreografie. Der gemeinsame Broadway-inspirierte Tanzauftritt ist Höhepunkt ihrer Träumereien.

Lukas Aue als Chaplin hat es da schon schwerer, denn die Chaplin-Bilder sind in den Köpfen der Zuschauer allgegenwärtig. Umso besser wenn er sich nach ein paar typischen Chaplin-Schritten davon löst und den Menschen hinter dem bekannten Image sucht. Verzweifelt sitzt er am Tisch und wirft immer wieder mit zerknüllten Blättern um sich, weil die Inspiration einfach nicht kommen will. So zart und rührend die gemeinsamen Tanzszenen auch sind, die beiden können nicht zueinander finden. Man sieht sie jeweils einander mit ihren Koffern verlassen, um den (eingespielten) Applaus des Publikums einzuheimsen.

Am Ende ist er dann einfach weg und sie steht erfolgreich im Rampenlicht. Die Kunst fordert eben auch private Opfer. Das Publikum war begeistert von dieser anrührend-artistischen Performance und ihrem Aufruf, sich nicht unterkriegen zu lassen.

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