Ein Leben in neun Nächten

von Redaktion

Wasserburger Theatertage Neue Bühne Bruck mit „Geschichte von den Pandabären“

Wasserburg – Im Jahre 1972 schockierte Bernardo Bertolucci mit seinem Film „Der letzte Tango in Paris“, „9 ½ Wochen“ hieß der Film von Adrian Lyne aus dem Jahre 1986. Beide behandeln dasselbe Thema: Ein Paar trifft sich in einer Wohnung zu Sex und Gesprächen, bleibt sich aber gegenüber anonym, keiner weiß vom andern wirklich etwas. „Wir verwandeln den Zufall in Schicksal“, sagt Jeanne, gespielt von Maria Schrader, im „Letzten Tango“. Dieser endet für den Mann, gespielt von Marlon Brando, tödlich: Jeanne erschießt ihn. In „9 1/2“ Wochen“ beendet Elisabeth, gespielt von Kim Basinger, das Experiment, als der Mann, gespielt von Mickey Rourke, die Grenzen überschreitet. In beiden Filmen dominiert zunächst der Mann, die Frau dominiert den Schluss.

Ähnlich ist die Ausgangsposition in dem Theaterstück „Die Geschichte von den Pandabären“ des rumänisch-französischen Autors Matéi Visniec, mit dem die „Neue Bühne Bruck“ aus Fürstenfeldbruck bei den Wasserburger Theatertagen gastierte. Auch hier wandelt sich der Zufall in ein Schicksal: Ein Mann erwacht eines Morgens neben einer schönen Unbekannten.

Er erinnert sich an nichts, sie scheint mehr zu wissen. Angeblich hat er sie mit seinem Saxofonspiel und mit dem Rezitieren von Baudelaire-Gedichten verführt. Er fragt sie nach ihrem Namen: „Ich heiße, wie du willst“, antwortet sie. Er will sie näher kennenlernen: Sie gewährt ihm neun Nächte dafür, in denen er für sie Saxofon spielen soll: „Neun Nächte können ein Leben sein.“

Sie ordnet seine Wohnung, dekoriert sie und spielt in diesen neun Nächten in jeweils andersfarbigen Kleidern mit ihm zauberhafte Spiele: eine Gedankenerforschung mit dem Buchstaben „a“, ein nur telefonisches Tête-à-Tête, wofür sie ihre Handschuhe dagelasssen hat Er will sie näher kennenlernen, sie schenkt ihm ein unsichtbares Tier, das sich auf wundersame Weise vermehrt, schließlich mimen sie eine zeremonielle Hochzeit, die eine Zuschauerin zu spontanem Applaus bewegt. Sie sind zärtlich zueinander, verlieren sich in verspielt-poetischen Dialogen und absurd-komischen Situationen, essen merkwürdige Speisen und trinken gute Weine.

Inszeniert hat dieses Zwei-Personen-Stück Olaf Dröge. Er hat versucht, den poetischen Zauber wirken zu lassen, lässt aber das Saxofon nie wirklich sehen, das Bett aus Paletten ist wenig poetisch, die Frau isst Eva-symbolisch Äpfel und Orgien-ähnlich Weintrauben: zu handfeste Symbolik. Beide lassen immer, auch in intimsten Szenen, ihre Unterhosen an, sie auch ihren BH: gebremste Erotik.

Also müssen alles die Schauspieler machen. Alexander Schmiedel ist anfangs süß verwuschelt, wird immer leidenschaftlicher und gibt sich am Ende völlig der Liebe und dem logiklosen Zauber hin: immerhin eine Entwicklung, die er mit männlicher Kraft und zugleich Zartheit zeigt.

Rilana Nitsch hat es schwerer, da ihre Figur eben keine Entwicklung hat, immer gleich mysteriös und letztlich unerreichbar bleibt. Sie lächelt immer unergründlich, bleibt immer geheimnisvoll-heiter, aber es fehlt ihr ein bisschen die traumhaft-feengleiche Zauberhaftigkeit, die Körpersprache bleibt irdisch-handfest.

Insgesamt zündet der Zauber nicht richtig, perlt die Poesie nicht genug, der Text selbst hält auch nicht die Spannung durch. Dafür ist das Schlussbild zauberhaft und poetisch: Beide schaukeln sich in Kinderschaukeln in ein gedachtes Pandabären-Paradies aus traumhafter Wirklichkeit und Kinderwunsch-Realität.

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