Stephanskirchen – „Klassik am Simssee“, so könnte man die kleine, aber feine Konzertreihe im Antrettersaal nennen. Denn seit nunmehr fast drei Jahren veranstaltet der Pianist Thomas Schuch in seiner Heimatgemeinde regelmäßig Konzerte. Dieses Mal trat er solistisch im Rahmen einer Klaviermatinee auf. Das Konzert wiederholte er eine Woche später im Hans-Schuster-Haus. Frederik Chopin bildete mit seinen 24 Préludes op. 28 und den drei Nocturnes op. 9 den Rahmen, die Englische Suite Nr. 2 von Johann Sebastian Bach das Sahnehäubchen.
Im Gegensatz zu vielen monströsen Klavierkompositionen sind die Préludes, deren längstes gerade knapp fünf Minuten in Anspruch nimmt, eine durch alle Tonarten schreitende Abfolge klangvoller Miniaturen, die dem Pianisten nicht nur exzellente Fingerfertigkeit, sondern ebenso sensiblen, wohl durchdachten Klangsinn abverlangt.
Über beide Fähigkeiten verfügt Schuch in hohem Maße. Ob in Nr. 3 „Vivace“ die Sechzehntel-Girlanden der linken Hand, in Nr. 8 „Molto agitato“ das Ineinanderverwobene der beiden Hände, die Unisono-Kaskaden in Nr. 18 „Allegro molto“ oder die eher poetischen Anklänge eines intimen Charakterstücks (Nr. 4 „Largo“ oder Nr. 6 „Lento assai“) – Thomas Schuch vereint in seinem Klavierspiel höchste Virtuosität ohne Selbstinszenierung mit tiefgründigem, klangintensivem Ausdruckswillen, was sich besonders auch in den abschließenden drei Nocturnes, op. 9 widerspiegelt. Beides beansprucht die Aufmerksamkeit der Zuhörer voll.
Im zweiten Teil stand Johann Sebastian Bach auf dem Programm. Wer glaubte, nach Chopin würde es nun beschaulich, der irrte. In das Präludium zu Beginn der Englischen Suite Nr. 2 in a-Moll stieg Schuch mit einem mitreißenden Tempo ein.
In vielerlei Hinsicht ist Bach Chopins Vorbild. Im durchaus umfangreichen Präludium zeigt sich unter anderem Bachs Verständnis für verzierte Wiederholungen. Er liefert persönlich in der Sarabande ein Beispiel für außergewöhnlich mannigfaltige, den Pianisten inspirierende Gestaltungsmöglichkeiten, wobei selbstverständlich das schreitende Tempo dieses Tanztyps geradezu prädestiniert für derart üppige Ausgestaltung ist. Schuch gelang es, die unterschiedlichen Charaktere dieser Tänze zum Ausdruck zu bringen und die jeweiligen Wiederholungen mit verzierten Versionen auszuschmücken.
Für den anhaltenden Applaus des Publikums bedankte sich der Künstler mit der Etüde op. 25/1 in As-Dur von Chopin. Der nächste Termin ist schon geplant: Am Sonntag, 14. Juli, soll es wieder „Klassik am Simssee“ geben.