Amerang – Die Oper gibt immer Anlass zu Witzeleien, Frotzeleien und Parodien, so tat’s auch Django Asül bei der Italienischen Operngala im Gestüt von Schloss Amerang, „zu Hause bei den Pferden“, wie Giulia Freifrau von Crailsheim in ihrer Begrüßung sagte. Als „Blockabfertigung der Klassik“ bezeichnete Django Asül diese Abfolge von berühmten Opern-Arien, die die Sänger der Opernfestspiele Amerang zum Besten gaben, den „Toreador“ Escamillo aus Bizets „Carmen“ übersetzte Asül als „Torjäger“, er behauptete, Donizetti sei inhaltlich vom Chiemgauer Volkstheater inspiriert gewesen, und auch sonst sparte er nicht mit politischen Seitenhieben.
Mit recht offenem und stimmprotzendem Bass sang Nejat Isik Belem diese Macho-Arie („Auf in den Kampf…“), Roger Krebs glänzte mit tiefschwarzem und raumfüllendem Bass in der dunkelglühenden Arie des Banquo aus Verdis „Macbeth“ und auch der Mezzosopran von Melis Cirpici war warm eingedunkelt in ihrer Arie „O mio babbino caro“ aus Puccinis Oper „Gianni Schicchi“.
Ein echter „Tenore di Grazia“ ist Gürkan Gidor, passend zum leichtlebigen und frauenliebenden Herzog aus Verdis „Rigoletto“, der sich über die Wankelhaftigkeit der Frauen beklagt in der berühmten Arie „La donna è mobile“ (in Django Asüls Übersetzung: „Die Frau ist beweglich…“).
Sehr beweglich ist Gidors Tenor, etwas weniger beweglich war seine Ausstrahlung auf der Bühne, erst am Schluss bei den Zugaben wurde er lockerer und sein Tenor kraftvoller. Ein echter Schmalzlockentenor ist Marco Antonio Lozano, dessen überbordende Stimme in der „Nessun dorma“-Arie aus Puccinis „Turandot“ die exakte Notenhöhe gleichsam mit Fortissimo überschwemmte. Mit großem Ernst dagegen und in sinnendem Piano begann die US-amerikanische Sopranistin Madeline Cain die Arie der Leonore „Tacea la notte placida“ aus Verdis „Il Trovatore“ und gestaltete dann mit ihrer vollblühenden Stimme große leidenschaftliche Aufschwünge, die das „heiße Flehen“ des Lieds des Troubadours nachzeichnen.
Am meisten Bravi bekam Dilay Girgin: Mit ihrem so hell strahlenden, sehr beweglichen und mit schnellem Vibrato versehenen Sopran, der Kantilenenseligkeit und Koloraturenlust verbindet und dem immer ein kleiner Wermutstropfen Wehmut beigemischt ist, sang sie die große Szene der Violetta aus Verdis „La Traviata“ und die koloraturengesättigte Arie „O luce di quest‘anima“ aus Donizettis „Linda da Chamonix“, die erstere liebesüberströmend, die zweite flatterleicht.
Dilay Girgin war auch die Gilda in Verdis Oper „Rigoletto“, aus der – zusammen mit Marco Antonio Lozano, Nejat Isik Belen und Melis Cirpici – das Quartett „Bella figlia d’amore“ erklang, bei dem Lozano sich noch zurückhielt – nicht mehr bei den zahlreichen Zugaben, in denen es auf der Bühne immer ausgelassener zuging, bis sich schließlich auch der Dirigent des kleinen Orchesters, Waku Nakazawa, umdrehte und mitsang: Auch er kann einen strahlenden Tenor vorweisen.