Wilde Gesellen und alte Legenden

von Redaktion

Mikes Kino zeigt in Prien die Vorpremiere von „Alpgeister“ – Authentische Protagonisten erzählen von Sagen und Brauchtum

Prien – Im deutsch-österreichischen Grenzgebiet treibt ein geheimnisvoller Maskenmörder sein Unwesen. Nach und nach kommen die Ermittler (gespielt von Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek) dem Täter auf die Spur, der mit einer Perchten-Maske unterwegs ist. Für die Serie „Der Pass“ gab es die „Goldene Kamera“ als beste Serie. Gibt es also ein neues Interesse an den magisch-mythischen Themen?

Der Regisseur Walter Steffen, bisher durch Fernsehfilme und Dokumentationen bekannt, hat sich an einen Kinofilm zu der Thematik getraut. Mikes Kino zeigt die Vorpremiere mit dem Besuch des Filmteams am Dienstag, 9. Juli, was rein örtlich gut zu den beeindruckenden Luftaufnahmen der Kampenwand passt. In der natürlichen Umgebung des beliebten Ausflugsbergs, der bei Sonnenschein wenig gruslig daherkommt, erzählt Christine Prediger die Sage von der Steinlingalm und wie die jungen, übermütigen Burschen verflucht wurden und sich in Steine verwandelten. Mit effektvollen Aufnahmen und Zeichentricksequenzen setzt der Film nicht nur diese, sondern auch weitere alte Sagen und Legenden filmisch um.

Protagonisten der vielschichtigen Dokumentation sind authentische Personen aus den Ortschaften der bayerischen Alpen, vom Allgäu über Füssen und das Werdenfelser Land bis hin zu Aschau und Berchtesgaden. Die erklärenden Personen sind geschickt in ihrer Umgebung inszeniert, wie der Schamanismusexperte Rainer Limpöck am Untersberg oder Wolfgang Ramadan am Herzogstand, der von einer Engelerscheinung erzählt.

Meist im regionalen Dialekt schildern diese Mitwirkenden besondere Geschehnisse oder sie versuchen, Tradition und Volksglauben in Wort zu fassen. Bärbel Bentele aus der Nähe von Oberstaufen kommt oft zu Wort im Film, sie erklärt mit Hilfe eines Rads anschaulich die „Zwischenzeiten“, die Übergänge zwischen Winter und Frühling beispielsweise, aus denen die Faschingsbräuche herrühren. Alois Fink erinnert sich auf seiner Alm, wie man um das Vieh herum mit einem Stecken einen Kreis gezogen hatte zum Schutz vor bösen Geistern.

Der Film schildert das Treiben von rauhen, sich duellierenden Gesellen, die als Untote in mancher Legende wiederkehren. In den Bergen lebten die „Wilden Fräulein“, als Naturheilerinnen und wegen ihrer Freizügigkeit gern von den jungen Burschen aufgesucht. So mancher archaische Brauch lebt durchaus in örtlich praktizierten katholischen Ritualen weiter, wie Anna Glossner als Nachtwächterin von Berchtesgaden berichtet.

Schöne Landschaftsaufnahmen und eindrucksvolle, mit großer Ernsthaftigkeit dargebrachte Erzählungen der Mitwirkenden machen den Reiz von „Alpgeister“ aus. Es ist eine gute Gelegenheit, sich mit den verschiedenen Alpenregionen Bayerns zu befassen, denn sowohl die Natur als auch Bräuche und Traditionen und die verschiedenen Dialekte werden im Film beleuchtet.

Walter Steffen und seinem Team ist ein moderner Heimatfilm gelungen, der das Verhältnis der Menschen zur Natur und zu den alten Mythen und Sagen eindrucksvoll thematisiert.

Die Vorpremiere samt Besuch des Filmteams von „Alpgeister“, ist am Dienstag, 9. Juli, in Mikes Kino, 17 und 19.30 Uhr.

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