Halfing – Schon die ersten Klänge des „Musical-Medleys“ des Festivalorchesters Immling unter der Leitung von Mariusz Smolij riss das Publikum in der nahezu voll besetzten Festhalle fast von den Sitzen: Die vertrauten Klänge zum Beispiel von Bernsteins „Curtain Up – New York, New York“ oder Webbers „Annie Get Your Gun“ begeisterten bei der „Großen Nacht des Musicals“ in perfekter orchestraler Einstudierung.
Mit Mariusz Smolij war es Cornelia von Kerssenbrock gelungen, einen weltweit gefragten Dirigenten für Immling zu gewinnen. Smolij ist seit 14 Jahren Musikdirektor des Acadiana Symphony Orchestra in Lafayette (Louisiana) und der Riverside Symphonia in New Jersey, außerdem seit 2016 künstlerischer Leiter des polnischen Torun Symphony Orchestra.
Die fulminante Musik – teils anrührend lyrisch, teils sprühend von Rhythmus und Temperament – zog sich durch den gesamten Abend, so bei Richard Rodgers „Oh, what a beautiful mornin´“ aus „Oklahoma“ oder mehreren Songs aus Andrew Lloyd Webbers „The Phantom of the Opera“. Als Solistin mit großer und dennoch weich modulierender Sopranstimme glänzte Anastasia Churakova in fast allen weiblichen Rollen. Sie hat bereits eine steile Karriere hinter sich, erhielt zahlreiche Preise bei internationalen Gesangs- und Klavierwettbewerben und sang bereits auf großen Bühnen. Derzeit studiert sie am Mozarteum Salzburg.
Nach einer Idee von Kim Mira Meyer, die für Choreografie und Moderationskonzept verantwortlich zeichnete, fungierten als Moderatoren des Abends Ivy Smith (Lea Unterseer) und der Matrose Gaby (Benedek Nagy), die einander im Großstadtgewirr von New York verloren hatten und nun überall suchten.
Vor der Pause erklangen nach Gershwins Ouvertüre zu dem Musical „Girl Crazy“ zwei wunderschöne Lieder aus „Porgy and Bess“ – „Summertime“, ungewöhnlicher Weise von einer Frauenstimme (Anastasia Churakova) dargebracht und das mächtige „It Ain’t Necessarily So“, interpretiert von dem südafrikanischen Bariton Luthando Qave. Mit mächtiger, voll tönender Stimme sang er nicht nur die berühmten Songs aus Porgy and Bess“, sondern später aus Mitch Leighs „Man of La Mancha“ oder „Stars“ aus Claude-Michel Schönbergs „Les Miserables“. Dazu erklangen mehrere bekannte Lieder aus „My Fair Lady“ wie „The Rain in Spain“ (Churakova, Moeng) oder „On the Street Where you Live“, einfühlsam lyrisch interpretiert von dem Tenor Jenish Ysmanov.
Das Bühnenbild wurde jeweils zur Musik passend durch Videos, zum Beispiel von New York, London oder Nebel verhangenen Landschaften mit den passenden Lichteffekten eingeblendet, beides arrangiert von Maximilian Ulrich. Wichtiger Faktor zum Gelingen der Aufführung war der von Lukas Gahabka hervorragend einstudierte Festivalchor Immling mit rund 40 Sängerinnen und Sängern, verstärkt durch Extrachoristen und einen Teil des Jugendchors der Akademie Immling, die zusammen ein harmonisches, klangstarkes Ensemble bildeten.
Im zweiten Teil des Abends ging es mit Melodien aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein wie „Maria“ oder „Tonight“ weiter oder dem eindringlich gesungenen Ohrwurm „Don’t Cry for Me Argentina“ (Churakova) aus Webbers „Evita“. Nach mehreren Songs aus Bernsteins Musicals „On the Town“ erklatsche sich das Publikum zwei Zugaben. Mit „Mambo“ aus der West Side Story und „Memory“ aus „Cats“ ging die Musical-Nacht schließlich zu Ende.