Amerang – Eine laue Sommernacht, tanzende Gestalten in Blumenkleidern auf einem vom Schein der sinkenden Sonne rötlich gefärbten Kornfeld – die „Sounds of Silence“ des legendären US-amerikanischen Folkrock-Duos Simon & Garfunkel vermögen es, solche Assoziationen zu erwecken. Ein Sound wie gemacht für ein Sommerkonzert auf dem Land. Das gefeierte Debüt der Simon & Garfunkel Revival-Band im Rahmen der Sommerkonzerte auf Schloss Amerang schrie 2012 nach einer Wiederholung und sollte fortan im Programm der Reihe nicht mehr fehlen.
Das siebte Jahr in Folge haben Michael Frank und Guido Reuter mit ihrer Band nun vor ausverkauftem Haus gespielt. Das Konzert fand allerdings nicht wie gewohnt im Arkadeninnenhof von Schloss Amerang statt, sondern in der Reithalle des Gestüts. Die größere Bühne wusste man zu nutzen und wagte erstmals die „Fusion“ mit einem klassischen Streichquartett.
Der Abend begann mit „Homeward Bound“, einem der ersten Hits des Duos Simon & Garfunkel. Als Schüler hatte sich das ungleiche Paar – Art, der Große, und Paul, der Kleine – 1957 zusammengetan. Mit „The Sounds of Silence“ gelang ihnen 1964 der große Durchbruch, Hits wie „Homeward Bound“, „Scarbourough Fair“ und „Mrs. Robinson“ folgten. Auf dem Zenit seines gemeinsamen Erfolgs trennte sich das Duo 1970, um fortan in einer Art On-Off-Beziehung zu verweilen.
Aus dem letzten gemeinsamen Studioalbum „Bridge over Troubled Water“ wählten in Amerang Michael Frank (der Kleine) und Guido Reuter (der Große) gleich zu Beginn des Konzertabends die Hits „El Condor Pasa“, „America“ – „Nicht America first!“ – und „The Boxer“.
Vor allem „The Boxer“ profitierte in seiner volumenreichen Klangfülle von der Fusion mit den engagiert spielenden Streichern. Ordentlich in Fahrt kam das Quartett auch bei „A Hazy Shade of Winter“, einem energetischen Song aus dem Jahr 1968, der nicht umsonst vielfach gecovert worden ist.
Michael Frank überzeugte einmal mehr mit seiner geschmeidig-weichen Stimme. Vor der Pause brachte das ironisch als „trauriges Stück“ angekündigte „Cecilia“ die Stimmung nochmals auf ihren Höhepunkt – in Kombination mit den Geigen kam echtes Country-Feeling in der Reithalle auf.
Den zweiten Teil des Konzertabends dominierten Stücke aus Paul Simons Solokarriere. Das Erfolgsalbum „Graceland“ (1986) vereint dabei westliche Folk- und Popmusik mit afrikanischer Musik. Simon hatte es seinerzeit mit afrikanischen Sängern aufgenommen. Die fünfköpfige Revival-Band meisterte die Herausforderung des mehrstimmigen Harmoniegesangs mit Bravour.
Die Stücke aus Simons Solokarriere boten den Musikern um Michael Frank eine willkommene Plattform, aus sich heraus zu gehen und andere Facetten zu zeigen. Für „Obvious Child“ aus dem in Brasilien entstanden Album „The Rhythm oft the Saints“ (1990) verwandelte sich Schlagzeuger Ingo Kaiser kurzerhand in einen wild gelockten brasilianischen Trommler. Wenn Guido Reuter nicht seine Stimme zum Einsatz bringen konnte, erfreute er an Geige, Flöte und Klavier oder auch mit der ein oder anderen kleinen Tanzeinlage.
Es sei immer wieder „wie ein Klassentreffen“, kommentierte Michael Frank das Zusammenspiel mit dem „One World String Quartet“ der Musikhochschule Weimar. Dazu muss man wissen, dass Frank und Reuter selbst der Weimarer Talentschmiede entstammen. Gerne hätte man mehr über die Hintergründe des Zusammenspiels erfahren. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit – nicht nur das kurze Herunternuscheln ihrer Namen am Ende des Abends – hätten die wenig prominent auf Bühne platzierten Streicher schon verdient – allein für ihr überraschendes Arrangement des Songs „50 Ways to leave your Lover“.
Der Titel der Veranstaltung – „Feelin’groovy meets Classic“ – hätte ein gemeinsames Auftreten von Band und Quartett auf Augenhöhe erwarten lassen. Womit wir bei dem einzigen Kritikpunkt zu einem ansonsten formidablen Konzertabend angelangt wären.