Luegstock trifft Woodstock

von Redaktion

Die Oberaudorfer Musikfilmtage präsentierten eine neue Doku über das legendäre Festival

Oberaudorf – Wo sich in Oberaudorf Badegäste tummeln und Beachvolleybälle und Skispringer durch die Luft fliegen, fand kürzlich wieder das „Luegstock-Festival“ statt. Als Namensgeber diente die Mutter aller Rockfestivals: Woodstock. Passend zum „Wood“ gesponsert von einer örtlichen Schreinerei, präsentierte das aktuell stattfindende Musikfilmfestival einen neuen Dokumentarfilm über das legendäre Festival, welches trotz zugkräftiger Vorläufer beinah allein als Synonym für „Love and Peace“ steht und als Inkarnation von politischem Widerstand gegen den Vietnamkrieg und Popkultur.

Ergänzend zum „offiziellen“ Festivalfilm, der als mehrstündiges Dokument ab und an in den Fernsehsendern läuft, stehen in dem Film von Barak Goodman weniger die Bühnenauftritte im Mittelpunkt, sondern mehr die Statements von Helfern und Teilnehmern.

Die Vorgeschichte von Woodstock wird eingeordnet als cleveres Zusammenspiel von Organisation und PR: Ein neues Tonstudio am Ort sollte mit Konzerten von Musikern beworben werden, die wie Bob Dylan – der dann nicht zusagte – und Jimi Hendrix sowieso schon in der Region lebten. An zwei Konzertorten scheiterten die Veranstalter, man wollte die „Hippies“ nicht. Doch mit dem Farmer Max Yasgur fand man einen verpachtungswilligen Grundbesitzer, dem die ganze Sache auch gefiel und der selber seiner Begeisterung am Mikrofon Ausdruck verlieh, eine der rührendsten Szenen des Films.

Durch das Abfilmen von Presseausschnitten und die Tonaufnahmen mit begeisterten und kuriosen Originalaussagen im Wechsel mit recht kurzen Musikpassagen ist das Ganze sehr unterhaltsam und facettenreich gestaltet.

Als Kinobesucher gewinnt man einen Eindruck von den immensen Ausmaßen des Vorhabens, welches zunächst mit 15000 Besuchern kalkuliert hatte und dann 300000 Menschen auf dem Gelände beherbergte. Wie baute man Infrastruktur auf, wie versorgte man so viele Menschen?

Eine wichtige Rolle spielte die Kommune „Hog Farm“, deren Auftritte im Film als Running Gag wirken, denn die alternativen Ur-Hippies fungierten auch als clowneske Security-Truppe. Mit viel Improvisation und der Unterstützung der Anwohner meisterte man schließlich Nahrungsmittelknappheit durch Lebensmittelspenden, die per Helikopter eingeflogen wurden.

Von daher wirkt der Film auch als eine Darstellung, wie sich Zivilisation und Zusammenleben gestalten können. Und wenn es doch einige Krankheitsfälle gab mit vielen Sonnenstichen, mit Tripper und Waschbärenbissen, so blieb das Festival unter den Besuchern gewaltfrei und gut gelaunt.

Die wenigen Konzertausschnitte sind geschickt ausgewählt, denn sie zeigen die Hymnen des Festivals: „Freedom“ von Richie Havens, „My Generation“ von den Who, Santana, „With a little help from my friends“ von Joe Cocker und als zeitgeschichtlicher Protest gegen den Vietnamkrieg „Star spangled banner“ mit Jimi Hendrix´ Solo. Aufmerksam verfolgte das Publikum im vollen Kursaal die Doku, die etwas beschwerlich im englischen O-Ton (Ausnahme: deutschsprachige Aussagen von Frances Schoenberger als Teilnehmerin) gezeigt wurde. Am 31. Juli läuft der Film um 22.45 Uhr in der ARD und am 21. August um 23.35 Uhr im Bayerischen Fernsehen, dann in einer deutsch eingesprochenen Version.

Die Musikfilmtage Oberaudorf laufen noch heute, Samstag, und morgen, Sonntag. Mehr über das Programm unter https://musikfilmtage-oberaudorf.de/online.

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