Bad Endorf – Gut aufgehoben sind die Bilder des Künstler-Ehepaares Daisy Campi (1893 bis 1979) und Hermann Euler (1900 bis 1970) in der Sommerausstellung „Von Eichbichl in den Süden“ auf Schloss Hartmannsberg. Ähnelt die Landschaft bei Hemhof doch in manchem der Umgebung des Rinsersees bei Prutting. Dort, auf dem abgelegenen Bauernhof der Eulers in Eichbichl, sind die meisten der Bilder entstanden – und die umgebende Landschaft lieferte die Motive für diese Werke.
Daisy Campi und Hermann Euler gehören zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten, die in der Region lebten und wirkten. Beide gehören der „verschollenen Generation“ an, deren Bilder während des Dritten Reiches nicht mehr ausgestellt wurden.
Stilistisch fallen sie unter den Begriff des „expressiven Realismus“. Der Kunsthistoriker Rainer Zimmermann hat damit die Kunst vieler Maler dieser „verschollenen Generation“ beschrieben, die den Expressionismus mit impressionistischen Mitteln fortsetzte.
Die Frage nach dem Künstlerpaar
Die beiden gelten gemeinhin als Künstlerpaar, ihre Namen werden meist zusammen genannt. Doch wird diese Kategorisierung den beiden Künstlerpersönlichkeiten überhaupt gerecht? Diese Frage stellte der Kurator der Ausstellung Karl J. Aß – die Beantwortung bleibt den Besuchern der Ausstellung überlassen.
Daisy Campi, Tochter eines französischen Diplomaten und Adoptiv-Tochter eines italienischen Adligen, beherrschte fünf Sprachen und lebte in London, Shanghai, Paris, Riva und Lausanne, bevor sie 1919 nach München zog, wo sie in einer privaten Malschule Hermann Euler, den Sohn eines Münchner Brauereivorstandes, kennenlernte. Beide studierten anschließend an der Kunstakademie, schließlich heirateten sie 1928. Das junge Paar unternahm viele Studienreisen, wurde beeinflusst von den Werken van Goghs und Cezannes, hatte künstlerischen Erfolg und stellte aus.
Die NS-Diktatur hat die hoffnungsfrohen Karrieren beider gebrochen. Sie wurden nicht mehr ausgestellt, erhielten keine Malmaterialien mehr. 1934 entschloss sich das junge Paar zu einem radikalen Schritt: Sie verließen samt ihrem kleinen Sohn München und seine Kunstszene, kauften einen abgelegenen Bauernhof oberhalb des Rinsersees und wurden Landwirte. Die Diplomaten-Tochter und der Münchner Großbürgerssohn bewirtschafteten einen Hof mit 16 Kühen, damals eine große Landwirtschaft.
Während des Krieges kam die künstlerische Arbeit fast zum Erliegen. Verantwortlich dafür waren wohl die äußeren Lebensumstände, die drückende politische Situation – und der Mangel an Leinwand und Farben.
Erst nach dem Krieg begannen die beiden wieder zu malen, stellten aus, unternahmen wieder Reisen in den Süden. Vor allem Bilder aus den 50er- bis 70er-Jahren sind in Hartmannsberg zu sehen, ergänzt um einige frühe Arbeiten aus den 20er- Jahren. Sie stammen fast ausschließlich aus dem Besitz des Sohnes, Dr. Alexander Euler.
Deutlich macht die Ausstellung, wie sehr Eichbichl die beiden Künstler geprägt hat. Dort fanden sie ihre Motive: Es ist der Hof, der Bauerngarten, die Apfelbäume vor dem Haus, die Landschaft rund um den Rinsersee. Sie malten zahlreiche Landschaftsbilder, Stillleben, die in der Stube, im Garten oder auf dem Balkon entstanden.
Die zweite Motivgruppe bilden ihre Studienreisen: Etliche Bilder, darunter vor allem Aquarelle, entstanden auf Malreisen durch Norwegen, Frankreich, Italien, Südtirol, Sizilien, Spanien, Kreta und Kroatien.
Landschaften,
Natur und Stillleben
Trotz aller stilistischer Entwicklungen und Wandlungen: Ihre Bilder bleiben immer dem Gegenständlichen verhaftet, Landschaften, Natur und Stillleben herrschen vor. Es sind in sich ruhende Kompositionen. Sind die frühen Werke aus den 20er-Jahren noch von kräftigen Farben geprägt, wird die Farbpalette nach dem Krieg gedeckter und gedämpfter.
Die Hängung der Hartmannsberger Ausstellung erlaubt, jeden der beiden Künstler für sich zu entdecken, nehmen sie doch jeweils ein eigenes Stockwerk ein – was manchmal allerdings auch schade ist. Bei so manchen Unterschieden im Stil haben doch beide ihre Motive miteinander geteilt. Durch die etagenmäßige Trennung wird dem Besucher der direkte Vergleich erschwert.
Klar wird in der Ausstellung, dass sich die Frage, wer hier wen beeinflusst hat, nicht stellt: Da hängen die Bilder zweier Künstler, die sich in enger Zusammenarbeit gegenseitig befruchtet haben. Trotz der Ähnlichkeiten durch die teils identischen Motive präsentieren sich zwei eigenständige Persönlichkeiten in ihrer künstlerischen Entwicklung. Und da gibt es kein Besser, nur ein Anders. Wirken Daisy Campis Bilder insgesamt lichter-leichter, offener, ja spontaner und großzügiger, sind Hermann Eulers Werke straffer komponiert, grafhisch durchstrukturiert, rationaler.
Noch etwas anderes prägt das Werk dieser beiden Maler: Trotz einer regen Ausstellungstätigkeit, die in den 50er-Jahren einsetzte, und trotz des Engagements Eulers im Rosenheimer Kunstverein standen beide abseits des Kunstbetriebes. Wie viele Vertreter der „verschollenen Generation“ fanden sie nur schwer wieder Anschluss an den Kunstmarkt. So malten sie nicht für den Verkauf oder den „Markt“. Sie arbeiteten für die Kunst – und kamen damit dem Ideal eines Künstlerlebens nahe.
Auffallend: Das Malerpaar, das so viele Landschaftsbilder gemalt hat – auf vielen Reisen und buchstäblich vor der eigenen Haustür – hat den nahen Chiemsee als Motiv ignoriert. Vielleicht war dies auch eine bewusste Distanzierung von der manchmal allzu lieblichen Chiemseelandschaft mit seiner allzu lieblichen Malerei. Gut also, dass die Bilder von Eichbichl nur bis Hartmannsberg gekommen sind.