Beethoven steht im Zentrum

von Redaktion

Die Streichquartette op. 18 auf Schloss Hohenaschau – an zwei Abenden

Aschau – Die Aufführung von Werkzyklen hat bei Festivo eine lange Tradition. Mit der Interpretation aller sechs Streichquartette op. 18 von Ludwig van Beethoven an zwei Abenden wird dies fortgesetzt – in gewohnter Festivo-Qualität. Dafür stehen schon allein die bestens bekannte Geigerin Muriel Cantoreggi sowie Festivo-Leiter Johannes Erkes. Zwischen 1798 und 1800 entstanden, hatte sich Beethoven mit op. 18 erstmals originär mit dieser Gattung beschäftigt.

Dabei zeigt bereits das erste Quartett der Reihe, wie weit Beethoven in Technik und Ausdruck über das Vorbild Joseph Haydn hinaus geht. So führt der langsame Satz in eine Ausdruchssphäre von hochdramatischer Leidenschaft. Laut dem Geiger Carl Amenda, einem engen Freund Beethovens, ist dieser Satz der Grabszene aus Shakespeares „Romeo und Julia“ nachvollzogen.

Als „Komplimentier-Quartett“ ist das Zweite aus op. 18 bekannt geworden. Für diesen Beinamen stehen ironisch gebrochene Verbeugungsmotive im Kopfsatz. Im Finalsatz aus dem Sechsten Quartett aus op. 18 wird Beethoven noch programmatischer. Er trägt den Titel „La Malinconia“. Beethoven meint es ernst, um hier die Melancholie psychologisch tiefsinnig zu reflektieren.

So verweist der Titel einerseits auf die Adagio-Einleitung, die im weiteren Verlauf stets auftaucht – schubweise.

Dieses Adagio ist in der Grundstimmung eher fahl in der Klanglichkeit und irritierend entwicklungslos. Andererseits wechselt dieser Ausdruck unentwegt mit dem lebhaften Allegretto – ein emotional unsteter Seelenzustand eben.

Gelöster gibt sich das Dritte aus op. 18. Erst im Finalsatz entladen sich Temperament, Witz und Virtuosität – rasend schnell, mit überraschenden Wendungen. Das Fünfte aus op. 18 kann hingegen nicht verbergen, wie sehr es von Mozarts Streichquartett KV 464 von 1785 in gleicher Tonart geprägt ist. Beethoven hat es nachweislich intensiv studiert.

Dagegen führt das c-Moll des Vierten Quartetts aus op. 18 etwas in die Irre, denn: Vom tragisch Verdüsterten oder schicksalhaft Unheilvollem ist das Vierte weit entfernt. Schon im Kopfsatz machen sich dramatische Entladungen rar. Auf einen langsamen Satz verzichtet Beethoven ganz. Stattdessen entwirft er ein Scherzo mit behäbigen Staccato-Effekten.

Erst im Menuett sorgen schroffe Sforzato-Akzente für etwas c-Moll-Atmosphäre. Neben Cantoreggi und Erkes sind Teemu Kupianen (Violinen) und Floris Minders (Cello) im Preysingsaal zu erleben – eine Garantie für Aha-Erlebnisse. Marco Frei

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