Nicht durch die rosarote Brille

von Redaktion

Ausstellung „Harvest“ von Peter Klitta beim Kunst- und Kulturverein Hohenaschau

Aschau – Um gleich vorweg zu warnen: Die aktuelle Ausstellung des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau ist nichts für Zartbesaitete. Ebenso wenig zart besaitet gibt sich auch der Maler Peter Klitta. Zwar sagt er: „Es ist mir im Grunde genommen egal, was auf dem Bild drauf ist. Ich interessiere mich für die Umsetzung der Malerei.“

Doch dies will ihm der Betrachter seiner Bilder in der Galerie an der Festhalle nicht so recht glauben. Ganz im Gegenteil. Zuweilen hat er den Eindruck, Peter Klitta möchte ihn verwirren oder gar schockieren. Allzu vielfältig ist sein Terrain. Er setzt Panzer in unwirkliche Landschaften und erwählt Expeditionen in Schnee und Eis zu seinem Thema. Zumeist geht es um den Kampf zwischen Leben und Tod. Um Sein oder Nichtsein. Klitta schreckt nicht davor zurück, zerfledderte Leichen oder hervorscheinende Knochen zu zeigen.

So in dem Ölbild „Stifter“ (2019) im Flur oben. Der hochdekorierte Admiral stützt sich auf eine Krücke, durch die Knochen scheinen. Zugegeben, das hat mit Krieg zu tun.

Doch im Bild „Brot und Spiele“ (2014) im Raum 3, erste Etage, ist das für den Betrachter nicht so einzuordnen. Bei August Sander hieß die Fotografie „Bauernkinder, Westerwald“, bei Peter Klittas „Brot und Spiele“ hat der römische Titel eine grausame Bedeutung. Das Mädchen hat im Original einen Ball in den Händen, doch in der martialischen Komponente von Klitta ist es stattdessen ein Panzer. An der rechten Seite des Buben sitzt ein deutscher Schäferhund. Die Kinder auf dem Bild wirken verloren. Schwang im Original „Brot und Spiele“ noch die Gier nach Bedürfnisbefriedigung und reizstarker Unterhaltung mit, so steht das Geschwisterpaar bei Klitta der Welt bezugslos gegenüber.

Der Panzer in den Händen des Mädchens ist ein Beispiel dafür, wie Klitta in seinen Bildern immer wieder Gegenstände in neue, irritierende Zusammenhänge einbaut. Noch deutlicher werden diese „Bildstörungen“ in den großformatigen Ölbildern. Angefangen bei dem Diptychon „Meute“ (2015) im Erdgeschoss. Der Betrachter muss sich anstrengen, um all die darauf gemalten Motive auszumachen. Ganz oben links grinst ihn der Tod an und immer wieder findet er kleine Panzer.

Noch deutlicher wird diese Ansammlung von Motiven in dem Bild „Datenträger“ (2019) im Flur oben. In der Bildmitte hält ein Mann ein Kind auf dem Arm vor einem schnittigen Auto. Umgeben sind sie von einer Vielfalt von Daten. Auf dem Boden hocken Kinder. Ein bedrohlicher Blick auf unsere Zeit. In den Details der Szene werden realistische und abstrakte Formen in Einklang gebracht. Dieser Dynamik entspringt die Kraft Klittas Kunst.

In den meisten Bildern herrschen Bordeaux-, Flieder- und Grüntöne vor, manchmal auch Violett. Doch intensiven Farben verwehrt sich Klitta nicht ganz, wie das Gemälde „Gipfel“ (2012) im Raum 2 des Obergeschosses zeigt. Ein Bergsteiger erreicht triumphierend den Gipfel und schwenkt eine rote Fahne. Grellrot ist auch die Sauerstoffflasche am rechten Bildrand.

Realistisch muten die zahlreichen Handwerker-Bilder an. Doch auch sie können eine gewisse Härte nicht verleugnen. Man sieht den Männern an, wie sehr sie sich schinden müssen.

Ganz anders die vielen Porträts im Flur des ersten Stockwerks. Da hängen die Gesichter von berühmten Schriftstellern wie Franz Kafka, Thomas Bernhard, Joseph Conrad oder Dostojewski. Gerade die markanten Gesichtszüge machen die malerische Qualität von Peter Klitta deutlich.

Auch Museen wie das Messner Mountain Museum in Südtirol machten sich diese Begabung zunutze und geben bei ihm Porträts von Polarforschern in Auftrag. In der Ausstellung zu sehen ist das großformatige Ölbild des Polarforschers „Scott“ im Erdgeschoss.

Die Bilderschau ist also nicht nur gruselig oder verstörend. Sie gibt vielmehr einen tiefen Einblick in die heutige Welt. Eine Welt, wie sie wirklich ist. Klitta sieht sie nicht durch eine rosarote Brille. Doch er möchte die Betrachter seiner Bilder nicht nur schockieren, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Seine sperrigen Bilder sind eher eine introspektive Innenschau. Eine Ausstellung zum Hinschauen, aber vor allem zum In-sich-Hineinschauen.

Bis 4. August

Der Verein Kunst und Kultur zu Hohenaschau zeigt noch bis 4. August unter dem Titel „Harvest“ Malerei des Schweriner Künstlers Peter Klitta. Geöffnet ist die Galerie an der Festhalle mittwochs von 16 bis 18 Uhr, freitags und samstags von 16 bis 19 Uhr, sonntags von 10 bis 12 sowie 16 bis 19 Uhr.

Artikel 4 von 9