Die Schulkinder Johanna und Simon aus Roßhart in der Gemeinde Edling bei Wasserburg wollen beim Dorffest am 14. August die Roßharter über die Namensherkunft ihres Dorfes genauestens informieren. Sowohl sprachlich als auch geschichtlich-kulturell.
Viele Dorfbewohner leiten Roßhart zwar vom Ross, bairisch: Roß – mit langem o also –, und vom Begriff Hart her, der Wald oder Weidewald bedeutet. Aber stimmt das auch so?
Dank einer Anfrage beim Stadtarchiv Wasserburg kann aufgrund der Aufzeichnungen des ehemaligen Archivars Joseph Kirmayer das Pferd als Namensgeber wohl ausgeschlossen werden. Kirmayer leitet Roßhart primär von mittelhochdeutsch rozze = Lache zum Flachs- und Hanfwässern, bairisch die Roussn, her. Hart bedeutet, so Kirmayer, Trift, Wald, Weideland, Waldgebirge, Bergwald. Als Beispiele gibt er unter anderen den Mühldorfer Hart an, ebenso den Spessart, der sich als „Spechtes Hart“ erklärt.
Roßhart wäre demnach Weideland oder auch Waldgebirge – die Ortschaft liegt langgestreckt an und auf einer Anhöhe – mit Mulden zum Flachswässern beziehungsweise zum Flachsrösten. Bei diesem Vorgang, der sogenannten Tau-Röste, werden die geschnittenen Pflanzenstengel auf einer Wiese ausgebreitet. Dank der Taubildung werden die Pektine im Pflanzenstengel aufgelöst. Pektin ist als Pflanzenleim dafür verantwortlich, die Fasern mit den festen Holzbestandteilen der Pflanze zu verbinden.
Neben der Tau-Röte gibt es die Wasser-Röste, wo der Flachs in Wasser gelegt wird. Weitere Vorgänge sind dann das Brechen, Schwingen und Hecheln, bis der Flachs dann gesponnen werden und schließlich als Textil verwendet werden kann.
„Iatz waar’s hoid guad, wann ma d Realprob hom daan“, gibt die Johanna zu bedenken.
„Der Ortsnam Attel is ja eh klar: Attel liegt an der Attel. Aber wo is der Beweis fürs Flachsroustn z Roßhart, Simon?“ – „Koa Problem ned. Schau her, was mir inser Nachbar vazäld hod“. Darauf zeigt ihr Simon seine Aufzeichnungen. Dort steht:
Der Dorfbewohner Joseph Enzinger besitzt ein Grundstück mit dem Namen „d Roust“.
Dieses Grundstück war früher Gemeindeeigentum. Es war und ist immer noch sehr wässerig. Die Dorfbewohner hatten dort in Muldenform kleine Parzellen, in oder auf denen sie den Flachs eine Zeit lang rösten, also verrotten, lassen konnten, bis er bereit zum Brechen in der Brechstubn war. Beim Bau einer neuen Wasserleitung in den 1970er- Jahren fand man Rundhölzer, die diese Parzellen von einander abgegrenzt hatten, außerdem ausgehöhlte Hölzer, die wohl als Wasserleitung gedient hatten, um das fürs Rösten nötige Wasser gleichmäßig an die Dorfbewohner zu verteilen.
„Unglaublich!“, freut sich die Johanna. „Und i hob dees keltische Wort ros gfundn. Ros hoaßd do ‚Leinsamen‘, ‚Flachssamen‘!“ So oder so: Die Realprobe scheint geglückt zu sein!
Armin Höfer