Übersee – Die große Exter-Ausstellung mit den Originalwerken von Julius Exter (1863 bis 1939) ist in jedem Jahr der Höhepunkt der Ausstellungssaison im Exter-Kunsthaus. Im Gedenkjahr zum 80. Todestag des Malers ist die besonders gut gelungene Sonderausstellung mit dem Titel „Julius Exter – Sommer am See“ zu sehen. Die Werkschau umfasst – unabhängig von der ständigen Ausstellung mit 34 Originalwerken Exters im Großen Atelier – 62 Bilder aus dem Gemäldebestand der Bayerischen Schlösserverwaltung, von denen 14 für die diesjährige Jahresausstellung aufwendig restauriert und neu gerahmt sind.
Der Besucher bekommt in der harmonisch abgestimmten Schau einen intensiven Eindruck von allen Schaffensphasen des Künstlers. Die frühen Werke stellen Exter als genau beobachtenden Naturalisten vor. Schon vor 1900 aber löste sich Exter vom linienbetonten Malstil und suchte neue Möglichkeiten, um die Natur auf die Leinwand zu bannen. Er wandte sich der Freilichtmalerei zu und intensivierte sie bei Aufenthalten in Künstlerkolonien und im Ausland.
Nach dem Kauf seines Sommerdomizils, des kleinen Bauernanwesens „Zum Stricker“ in der Feldwies 1902 rückten das Alpenvorland, sein neu angelegter Garten und der Chiemsee in den Mittelpunkt seines Schaffens. Wegen seiner Malweise mit leuchtenden, selbst hergestellten Farben erhielt Exter von Zeitgenossen den Beinamen „der Farbenfürst“. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog er sich aus wirtschaftlicher Not ganz ins Bauernhaus nach Feldwies zurück. Neben ganzen Landschaftsbildern bevorzugte der Künstler nun einzelne Motive – Kahn, Bach, Waldweg, Blumen und Gewächse im eigenen Garten.
Es geht bei Exter niemals um die fotografisch exakte Wiedergabe von Landschaften oder Motiven, sondern um die völlig unterschiedlichen Stimmungen, die die Landschaften in den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten widerspiegeln. Die Farbe wird zum Stimmungsträger: Badende am Seeufer in gleißendem Sonnenlicht, der Chiemsee vom Wind bewegt, die Berge in warmes Nachmittagslicht getaucht oder als Teil einer kalten Winterlandschaft. Durch die Magie des Lichts und den meisterhaften Wechsel von Licht und Schatten haben Bilder wie „Bäume hinter der Mühle“, „Hochplatte“, „Prügelholz“ oder „Die gelbe Wiese“ eine perspektivische wie auch atmosphärische Tiefe.
Das Porträt von
„Josef Donauer“
Eine Besonderheit ist heuer das Porträt von „Josef Donauer“ im Großen Atelier, 1925 von Exter gemalt, das eine Familie in Feldwies dem Exterhaus als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. In kräftigen Strichen auf einfarbigem Grund stellt es einen großen Gegensatz dar zum Selbstporträt Exters von 1931 gegenüber im Großen Atelier auf einer Staffelei.
Insgesamt nahm ab den 1930er-Jahren die Farbigkeit seiner Bilder ab und ab 1936 malte er, wohl vor allem wegen Augenproblemen, kaum noch, was mit seinem Gesundheitszustand und der schlechten finanziellen Si-tuation in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg ging, zusammenhängt. Viele Bilder entstanden nicht mehr auf teurer Leinwand, sondern auf Malpappe, die oftmals auch noch auf der Rückseite benutzt wurde, denn Malutensilien waren äußerst rar. In diesen Notzeiten tauschte Exter auch immer wieder Bilder gegen Naturalien.
Dass Exter vor dem Krieg viele Bilder nicht verkaufen konnte, ist für die heutige Generation ein Glück, denn die Tochter des Malers, Judith Exter, vermachte seinen Nachlass dem Freistaat.
Lohnend ist auch ein Gang durch den wunderschönen historischen Garten des Hauses, der jetzt in voller Sommerblüte steht. Er ist so gestaltet, wie er zu Exters Zeiten aussah, und wird liebevoll in unzähligen Arbeitsstunden von Monika Kretzmer gepflegt. Eine Clematis, die schon zu Exters Zeiten blühte, rankt sich unverwüstlich noch immer jedes Jahr an der Südseite des Hauses empor.