Sie sind legendär – und auch der von ihnen geprägte Klang und die Spielweise mit drei Zithern und Kontragitarre: Die „Wegscheider Musikanten“ aus dem Isarwinkel haben über eine Generation lang in der oberbayerischen Volksmusikpflege nach dem Zweiten Weltkrieg Geschichte geschrieben. Und sie waren und sind Vorbilder in Spielweise und Melodieauswahl für die nachkommenden jungen Musikanten – auch im Verbreitungsgebiet unserer Heimatzeitungen – bis heute!
Aus der Zitherkultur der 1930er-Jahre sind die „Wegscheider Musikanten“ hervorgegangen. Sie waren geschulte Zitherspieler. Der Landwirt und Flößer Hans Kraus (1908 bis 1980) kam aus dem Zitherklub Lenggries. Sepp Gerg (1921 bis 1994), beim „Jackler“ in Wegscheid, war Zimmermann. Sepp Riesch (1907 bis 1999), „beim Graber“ in Wegscheid, war Forstarbeiter. Mit der Kontragitarre vervollständigte der Zimmermann Benedikt Trischberger (1903 bis 1987), „beim Grei“ in Obergries, das Quartett.
Von 1954 bis 1982 haben die Wegscheider Musikanten Aufnahmen im Bayerischen Rundfunk gemacht. Dadurch wurde dieser Klang auch Vorbild für viele Zitherspieler – und die Stückauswahl wurde in der Folge vom Repertoire der Zitherklubs und von Unterhaltungsmusik auf Volksmusikstücke (Polka, Schottisch, Landler, Walzer, Halbwalzer) erweitert. Diese wollten die Leiter der Abteilung Volksmusik im Bayerischen Rundfunk, Hans Seidl (1907 bis 1973), Karl List (1902 bis 1971) und Alfred Artmeier (1925 bis 2016), hören, die für die zahlreichen Rundfunkaufnahmen verantwortlich waren und dadurch den Klang und das Spielrepertoire mitgeprägt haben. Dafür sorgte auch ihre Langspielplatte aus dem Jahr 1976.
Im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern hat man in den letzten Jahren im „Arbeitskreis Wegscheider Musikanten“ unter Federführung der Projektmitarbeiter Annemarie Meixner und Franz Emmerig und im engen Kontakt mit dem Sohn von Benedikt Trischberger die Stücke der Wegscheider von Tonaufnahmen übertragen. Zusammen mit detaillierten Herkunftsangaben der Melodien und ihrer Verbreitung sind 14 Stücke in Partitur und Einzelstimmen für die drei Zithern in einem Heft „Stückl der Wegscheider Musikanten – Heft 1“ erschienen, dem noch weitere Ausgaben folgen sollen. Damit hat das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in der Reihe „Persönlichkeiten der regionalen Musikkultur“ eine wichtige Dokumentation zur Volksmusikpflege in Oberbayern erstellt.
Bezirkstagspräsident Josef Mederer schreibt dazu im Geleitwort: „Es ist mir eine große Freude, dass wir im dritten Band dieser Reihe eine erste Auswahl von Stückln der ,Wegscheider Musikanten‘ aus dem Isarwinkel herausgeben können. Sie haben nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er-Jahre mit drei Zithern und Kontragitarre einen neuen Stil in der Volksmusikpflege geprägt, der heute von vielen jungen Zitherspielern in beeindruckend lebendiger Weise aufgegriffen und weiter getragen wird.“
Das Notenheft mit Fotos, Texten und Dokumenten auf 64 Seiten ist im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern (Krankenhausweg 39, 83052 Bruckmühl) für acht Euro (zuzüglich Versandkosten) erhältlich.