Bad Endorf – Druck ist ein vielseitig einsetzbarer Begriff, der in Physik, in Medizin, aber auch in der Soziologie wie dem Stichwort „die äußerlichen Erwartungen der Gesellschaft an das Verhalten von Individuen“ Verwendung findet. Diesem Begriff widmete die Gruppe „Symbiotic Melodies“ im kleinen Raum der Amadeus-Bühne ein multimediales Programm. Die vier Mitglieder, alle Studenten Anfang 20, verarbeiteten und setzten das Wort Druck akustisch und visuell auf beeindruckende Weise um.
„Unterdruck“, „unter Druck“: die immer schneller eingeblendeten Wörter in verschiedenen Schrifttypen sorgten für Reizüberflutung, das kurz darauf einsetzende „L’apres-midi“ von Claude Debussy – eindrucksvoll dargeboten von Querflöte (Lena Valentina Mair) und Geige (Lukas Manuel Gahabka) – beruhigte wieder. Dafür sorgte auch die Leinwand, wo nun ein Blick auf einen Mischwald entspannend auf die Augen wirkte.
Druck, Druck, Druck, da musste wieder Veränderung her, immer weiter, immer schneller, und so veränderte sich das Waldesgrün in Gelb und viele, andere Farben des Regenbogens. Statt romantischer Musik erklang verzerrte Popmusik vom Band: „Under Pressure“ der Rockgruppe Queen.
Ein Tag im Leben einer fiktiven Studentin, eine minutiöse Auflistung der alltäglichen Dinge und Verpflichtungen des sozialen Alltags und der privaten Bindungen – je länger man Lea Maria Unterseer zuhörte, desto mehr begannen die Gedanken um den eigenen Tagesablauf zu kreisen. Was ist wichtig, was ist unwichtig, was muss erledigt werden, was kann warten? Ein Circulus vitiosus, ein Teufelskreis, den peppige Musik vom Band auflöste.
Michael Paul Theolonius Hamel als DJ hypnotisierte mit seiner Musik, was Lukas, Lena und Lea als Tänzer auf der Bühne umsetzten, dazu noch die irrisierienden Farben einer Discokugel – man konnte es schon ahnen, dass da Druck lauert. Für die Rezensentin kam dann der emotionalste Punkt des Abends, als Lea als fiktive Ich-Erzählerin mit dem Rücken zum Publikum vor einer weißen Wand von einer Liebesgeschichte erzählt, die mehr von Druck und Gewalt als von echter Liebe spricht und die dem Namen der Gruppe „Symbiotic Melodies“ mehr als gerecht wurde. In der Biologie bedeutet Symbiose nämlich evolutionär entstandene Formen des funktionalen Zusammenlebens artfremder Individuen zu wechselseitigem Nutzen. Im Übertrag auf menschliche Beziehungen haftet dem Begriff aber meist eine negative Bedeutung an.
Druck – das Wort bekam viel Aufmerksamkeit, nötige Aufmerksamkeit, ist man beinahe versucht zu sagen. Wann hört der Druck auf? Nach der Improvisation über den Quetschen Song „Under pressure“ für Flöte (Mair), Mini-Trompete und Gesang (Gahabka) stieß Lukas Gahabka einen Ur-Schrei aus. Druck ablassen oder sich weiterhin unter Druck setzen?
Die Aufforderung der vier, sich diese Frage mit sich selbst oder im Gespräch miteinander zu klären, setzte den Schlusspunkt. Ein ungewöhnliches Programm, das das Publikum mit seiner Intensität und Ernsthaftigkeit, verstärkt durch den Einsatz von Literatur, Theater, Film, Livemusik und elektronischer Musik, in den Bann zog. Fortsetzung folgt: am Freitag, 20. September, im Kurpark Aschau.