Neubeuern – „Ansichtssache“ haben Richard Schwarz und Andrea Stork ihre gemeinsame Ausstellung in den wohnlichen Räumen von Ofenbau Schwarz am Neubeurer Marktplatz betitelt.
Natürlich fallen im Eingang sofort die großen, starkfarbigen Bilder von Richard Schwarz ins Auge, während die zahlreichen Preziosen der Neubeurer Goldschmiedemeisterin Andrea Stork erst auf den zweiten Blick Aufmerksamkeit finden – dann aber umso mehr. Die gebürtige Rosenheimerin zeigt eine Vielzahl von Arbeiten, zumeist aus Silber. „Ich mache das alles selber; bei mir gibt es keine gegossenen Ringe“, betont die 51-Jährige ihre Absage gegen vorgefertigte „Convenience-Schmuckgestaltung“.
Biegt man vom Flur in den ersten Raum ein, so steht dort eine Büste mit einem extravaganten Halsschmuck namens „Ansichtssache“: An einem Reif sind mit Silberdraht zahlreiche runde Plättchen angebracht, die entweder ein Auge zeigen oder poliert spiegeln. Eine besondere Art von Kragen (englisch Collar) aus schwarzem Stoff mit Silberornamenten und Perlen hat Stork mit der Arbeit „Collarboration“ geschaffen. Etliche Exponate tragen ebenfalls amüsant-glossierende Titel. Die Stücke sind mit Perlmutt oder mit Edelsteinen wie Olivit verziert; aber auch Kieselsteine vom Inn hat sie fantasievoll bearbeitet. Mit Lasertechnik hat Stork den Fingerabdruck ihrer kleinen Tochter auf einen Anhänger aufgebracht – ein ganz persönliches Stück unter den vielgestaltigen Arbeiten.
Sowohl figürlich als auch abstrakt sind die Bildinhalte von Richard Schwarz. Er zeigt einen großen Frauenakt vor einem weißblauen Streifenhintergrund, einige hochformatige Porträts, die stilistisch an Bernard Buffet erinnern, ein fast zwei Meter breites Bild namens „Krabben“, das rotes Beingewirr der Schalentiere bietet, oder eine große flächige Farbexplosion in den Tönen Schwarz, Gelb und Grün mit dem Titel „Siitz!!!“.
Eher konventionell mutet die Arbeit „Durchblick“ an, die eine Zypressenallee darstellt; und das in Weiß, Blau und Ocker gehaltene Bild „Winternacht“ wirkt wie eine Synthese aus Jugendstil und Expressionismus, während „Am Meer“ eine ruhige horizontale Farbschichtung in Moosgrün, Blau und Gelb darbietet. Der 67-jährige Gestaltungs-Tausendsassa zeigt wieder einmal die breite Palette seiner Bildsprachen – zwischen der von ihm geschaffenen Öfen seines historischen Anwesens.