Mit mitreißendem Modern Jazz in Sommerpause

von Redaktion

Xaver-Hellmeier-Quartett und der Saxofonist Lukas Gabric aus New York gastieren im Rosenheimer „Le Pirate“

Rosenheim – Einige Kompositionen des US-amerikanischen Jazzpianisten Cedar Walton (1934 bis 2013) standen im Vordergrund, als Xaver Hellmeier, ein junger Senkrechtstarter am Schlagzeug, den in Salzburg geborenen und in New York lebenden Saxofonisten Lukas Gabric zu einem Konzert ins „Le Pirate“ geholt hatte. Zusammen mit dem Bassisten Martin Zenker und dem Pianisten Tizian Jost spielten sie mitreißenden Modern Jazz der 1950er- und 60er- Jahre. Es war der letzte Musikabend im „Le Pirate“ vor der Sommerpause, zu der trotz etlicher Parallelveranstaltungen zahlreiche enthusiastische Zuhörer gekommen waren.

Schon in Cedar Waltons Eröffnungsnummer „Fantasy In D“, einem rhythmisch akzentuierten Thema im Up-Tempo, konnte man die große Musikalität und Virtuosität des Quartetts erkennen. Da überzeugte Lukas Gabric auf seinem Tenorsaxofon mit einem ausgewogenen Wechsel zwischen ausgefeilten Motiven im warmen Ton und rasend schnellen Tempopotenzierungen, jagte Tizian Jost perlende Motivsequenzen über die Tasten und zog Martin Zenker geschmeidige Linien bei seinen Bass-Improvisationen. Xaver Hellmeier strukturierte das Ganze mit dem passenden Drive.

Dass Gabric neben den schnellen, klar artikulierten Tonketten auch rau und röhrend spielen kann, bewies er in Waltons „Ojos De Rojos“, einer interessanten Mischung aus Latin und Harbop, in deren Finale Xaver Hellmeier ein rollendes Solo nur auf den Toms und mit dem High Hat trommelte. Am Schluss der in Höchstgeschwindigkeit gespielten Coltrane-Komposition „Moment’s Notice“ lieferte Hellmeier sich mit Gabric und Jost ein Acht-Takte-Gefecht.

Im Kontrast zu den Stücken ohne Tempolimit genossen die Zuhörer die getragenen Balladen, wie etwa „Naima“, ebenfalls aus der Feder John Coltranes, der an diesem Abend übrigens seinen 52. Todestag hatte, wie Xaver Hellmeier in seiner Funktion als Moderator feststellte. Coltrane hatte dieses Stück, das nach einem impressionistischen Piano-Intro in eine luftige Bossa überging, seiner ersten Frau gewidmet.

Auch aus dem Repertoire Coltranes, aber komponiert von dem Pianisten Mal Waldron, war die Ballade „Soul Eyes“, in der alle vier Musiker besonders ihre Klang- und Phrasierungsästhetik zum Ausdruck brachten. Die dritte Ballade des Abends, Hoagy Carmichaels „The Nearness Of You“, war wohl das älteste Stück im Programm.

Was wäre ein Jazzkonzert ohne Blues, die wichtigste eigenständige Form des Jazz mit besonderem Klang-Charakter? Also griffen die Solisten in Joe Hendersons „Out Of The Light“ auf die Wurzeln zurück und gestalteten „erdige“ Chorusse. Auf die Ursprünge des Jazz spielt Cedar Walton wohl im Titel seines Stücks „Firm Roots“ an, das im Up-Tempo das offizielle Finale mit einem Besen-Solo Hellmeiers darstellte. Selbstredend, dass das begeisterte Publikum sich noch eine Zugabe erklatschte. Es war der Swingklassiker „Shiny Stockings“, den Frank Foster für die Count-Basie-Big-Band geschrieben hatte. Dementsprechend waren dann Soli der alten Schule zu hören: Gabric intonierte wie Coleman Hawkins, und Jost setzte dampfende Blockakkorde.

Artikel 6 von 11