Chiemsee – Bei dieser sommerlichen Hitze übten die Streichquartette von Joseph Haydn auf das Publikum im Spiegelsaal von Herrenchiemsee eine musikalisch erfrischende und belebende Wirkung aus. Das Quatuor Mosaiques mit Erich Höbarth und Andrea Bischof (Violine), Anita Mitterer (Viola) und Christophe Koin (Violoncello) begeisterte aber nicht nur mit seiner Interpretation zweier Haydn-quartette, sondern vor allem mit Beethovens erstem Rasumowsky-Quartett.
Haydns Streichquartett in G-Dur op. 33 Nr. 5 beginnt mit einem kurzen und einfallsreichen, rasch wieder ins Hauptthema zurückführenden Sonatensatz, den die vier Musiker mit technischer Brillanz und großer Sensibilität zum Erklingen brachten. Sein heiterer Charakter wurde abgelöst von einem melodischen, düster eingerahmten Largo, dessen ruhig wiegender Rhythmus berührte. Witzig war das Scherzo mit seinen plötzlichen Pausen und schelmischen musikalischen Sprüngen. Klanglich homogen spielte das Quatuor Mosaiques auch das variationenreiche Finale.
Haydns berühmtes „Kaiserquartett“ variiert im zweiten Satz die Kaiserhymne, deren Melodie später zur deutschen Nationalhymne wurde. Mit großer Akkuratesse und exakt aufeinander abgestimmt interpretierten die Musiker das Allegro mit seinen phantasievollen und verwirrenden Themen und Motiven. Die melodische Gesanglichkeit des Poco adagio cantabile verströmte im Spiegelsaal eine andachtsvolle Ruhe.
Mit virtuoser Brillanz spielte die erste Geige die wunderbar nuancenreichen Variationen des Themas, die zum tänzerischen Menuett einen großen Kontrast bildeten. Akkordschläge und dramatische Triolenläufe kennzeichneten das Finale, in dem das Quatuor Mosaiques eine ungeheure Dynamik entwickelte. Die wilden zerklüfteten Passagen schienen die Zuhörer bis zum letzten Takt zu faszinieren.
Nach der Pause, in der man bei einem herrlichen Sonnenuntergang die Alphornbläser und Wasserspiele im Schlosspark genießen durfte, ging mit dem ersten Rasumowsky-Quartett in F-Dur op. 59/ 1 von Beethoven die Sonne musikalisch wieder auf. Die vielen gesanglich-melodischen Themen, die spannungsvollen Gegensätze und weitgespannten harmonischen Steigerungen im Kopfsatz spielten die vier Musiker mit Leidenschaft und fesselndem Ausdrucksreichtum. Nach dem phantasievollen Allegretto folgte ein langsames Adagio, eine klagende Trauermusik, deren Zauber das Publikum ergriff.
Folkloristische Anklänge wies das Finale auf. Die von den Musikern rasant gespielte Presto-Stretta mit ihren dynamischen Ausbrüchen und den kurzen Adagio-Einschüben verfehlte nicht ihre Wirkung auf die Hörer. Für den überwältigenden Klangkosmos Beethovens spendete das Publikum dem Quatuor Mosaiques am Ende lang anhaltenden Applaus.