Bad Aibling – Einmal im Jahr zeigt der Kunstverein Bad Aibling eine Schau seiner Mitglieder. Dass diese Schau nicht juriert wird, ist nicht ganz unumstritten, aber die Verantwortlichen bleiben bei ihrem vor Jahren beschlossenen Konzept. Allen Mitgliedern, die künstlerisch tätig sind, wird die Chance gegeben, ihre Arbeiten auszustellen. Ungefähr 170 Mitglieder hat der Verein, bei weitem nicht alle sind Künstler, die Mehrzahl besteht aus Förderern und Kunstinteressierten.
Dieses Mal haben sich 40 Künstler der Aufgabe zu dem Thema „Erneuerung“ gestellt – mit unterschiedlichen Ideen und in allen nur denkbaren Techniken. Mehr als sonst reichten die Kunstschaffenden Skulpturen ein: aus Ton, Bronze, oder Holz. Für die Hängung – bei solcher Vielzahl völlig unterschiedlicher Werke nicht einfach – waren Stellwände errichtet worden, die mit ihren Nischen eine Trennung der einzelnen Arbeiten ermöglichten.
Mehrfach begegnet man dem Thema „Umwelt“. Gabi Dräger tut in einem farbenfrohen, an ein Cartoon erinnernden Werk ihre Teilnahme am Schicksal der Bienen kund. Anja Grigull zeigt in ihrer Fotografie Knospen in Grün in einem sonst schwarz-weiß gehaltenen Naturbild – ein Hoffnungsschimmer für Erneuerung. Die Erdkugel aus Bronze von Wilhelm Zimmer befindet sich in einem desolaten Zustand. „Eine Frischzellenkur ist nicht mehr von Nutzen“, lautet lapidar der Kommentar des Künstlers.
In dem auf rostigem Eisen gestalteten Bild einer „Meerjungfrau“ von Stephanie Zwerschke erkennt man den Vorgang der Rostmalerei. Sie gibt dem alten Metall ein neues Gesicht, indem sie den verletzten Stahl mit Ölfarben, Lacken und Firnissen bemalt. Ruth Effert weist im Begleittext zu ihrem hellfarbigen Bild mit Malerei und Zeichnung darauf hin, dass sie ein älteres Bild übermalt und somit eine Erneuerung – „Little Phoenix“ ist der Titel – ermöglicht habe. Auch eine bevorstehende Geburt ist eine Erneuerung, Ute Beckert hat eine Doppelfigur aus Keramik geschaffen, in der auch dem Mann eine Rolle zugewiesen wird: „Wir sind schwanger.“
Rupert Dorrers Gemälde nimmt sich christlicher und weltlicher Symbolik an: In der linken Hälfte ist, kaum wahrnehmbar, ein Kruzifix eingearbeitet, das mit wiederholtem Pigmentauftrag erneuert wurde. Die rechte Hälfte zeigt eine Eizelle als Symbol für die kontinuierliche Erneuerung des Lebens.
Unter dem Pseudonym „onok“ hat ein Künstler in fotografischer Genauigkeit eine Stadtansicht Venedigs geschaffen, im Vordergrund trägt eine hohe Säule einen geflügelten Frosch. Titel: „Metamorphose“. Der Frosch gilt als Symbol der Verwandlung, Erneuerung: Allen Kunstwerken liegt die Idee zugrunde, dass auch die Kunst sich immer wieder erneuern müsse.