Den Abgöttern gehuldigt

von Redaktion

Kent Nagano dirigiert Wagner, Beethoven und Bruckner bei Herrenchiemsee-Festspielen

Chiemsee – „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, schreibt Friedrich Nietzsche, der in jungen Jahren der Musik seines Idols Richard Wagner verfallen war. Dieses Nietzsche-Zitat hätte auch als Motto des letzten Konzerts der diesjährigen Festspiele auf Herrenchiemsee gelten können. Das Konzert im Spiegelsaal wurde den großen Abgöttern Wagner, Beethoven und Bruckner gewidmet. Stardirigent Kent Nagano und die Klangverwaltung spielten Wagners Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer“ und die monumentale siebte Sinfonie von Anton Bruckner. Solistin in Beethovens zweitem Klavierkonzert war die Japanerin Mari Kodama.

Kaum hatte Kent Nagano unter dem Beifall des Publikums das Podium betreten, erklang auch schon mit elementarer Wucht das berühmte Holländermotiv. Nagano dirigierte die Ouvertüre mit sparsamen, konzentrierten Gesten und entlockte dem Orchester aufwühlende musikalische Naturschilderungen. Die dämonische Welt des Holländers setzten die Blechbläser klangmächtig in Töne um. Wunderschön anzuhören war das melodische Senta-Motiv. Naganos kraftvoll-präzise Interpretation rief beim Publikum große Begeisterung hervor.

Technische Brillanz, kristallene pianistische Klarheit und wundervolle Kadenzen prägten das zweite Klavierkonzert in B-Dur op. 19 von Ludwig van Beethoven. Mari Kodama spielte das Hauptthema im Allegro con brio mit Leidenschaft und Innerlichkeit. Einen melodischen Zauber verströmte das kantable Seitenthema, das förmlich zum Mitsummen inspirierte. Das Orchester begleitete die Pianistin mit einer Eleganz und Dynamik, die das Publikum bannte. Die perlenden Girlanden und weitgespannten melodischen Bögen im Adagio interpretierte die Pianistin glanzvoll und völlig unprätentiös. Oft schienen die Töne wie leicht dahingetupft. Tiefsinnige improvisierende Klaviertakte wechselten mit zarten Verzierungen von bezwingender Eindringlichkeit.

Fröhliche Beschwingtheit kennzeichnete schließlich das Final-Rondo, in dem die Pianistin noch einmal ihre virtuose Brillanz unter Beweis stellen konnte. Als Zugabe für das begeisterte Publikum spielte Kodama noch Schumanns „Träumerei“ aus den Kinderszenen.

In Bruckners siebter Sinfonie in E-Dur konnte das Orchester der Klangverwaltung erneut seinen überragenden musikalischen Ausdrucksreichtum zu Gehör bringen. Das Werk kennzeichnet eine melodische Eingängigkeit der Themen und eine überwältigende sinnliche Farbigkeit der Instrumentation. Nagano gelang es meisterhaft, den lyrisch-sanften Charakter des Kopfsatzes zu betonen. Die einzelnen Instrumentengruppen führten das Hauptthema mit einer melodischen Klangpracht auf, die faszinierte.

Voller mystischer Kraft war das Adagio. Die erhabene Feierlichkeit dieses Satzes spielten Bläser und Streicher mit ergreifender harmonischer Geschmeidigkeit. Markant aus dem Scherzo tönte der Trompetenruf, den das Orchester effektvoll steigerte. Die stimmungsvolle Idylle des Trios wurde am Ende von zarten Flötenarabesken abgelöst, die an Vogelstimmen erinnerten.

Einen grandiosen Abschluss bildete das Finale, in das Bruckner Themen des Allegro moderato eingearbeitet hat. Auch dieser Satz bestach durch eine ungemein farbige Instrumentation. Solistische Einlagen der Bläser und Tutti-Effekte erzeugten in diesem Satz ein Klangwunder ohnegleichen. Minutenlanger stehender Beifall vom Publikum für Dirigent und Orchester beschloss einen hochkarätigen Konzertabend.