Gegenwartskunst mit Erzählcharakter

von Redaktion

Kunstausstellung im Rathaus, im Ganserhaus und im Museum Wasserburg

Wasserburg – Zeitgenössische Kunst in bemerkenswerter Qualität zeigt derzeit der Arbeitskreis 68 in seiner „Großen Kunstausstellung 2019“. Kunstinteressierte erwartet ein breitgefächerter Querschnitt unterschiedlichster Positionen und Arbeitsweisen von Kunstschaffenden aus ganz Deutschland.

Wenn vor dem Rathaus die Banner des AK68 aufgezogen sind, ist wieder „Große Kunstausstellung“. Die 52. Jahresausstellung des Arbeitskreises präsentiert 150 Werke von 91 Künstlerinnen und Künstlern. Die Jurymitglieder Dominic Hausmann, Katrin Meindl, Johann Plank, Walter Voss und Martin Weiand haben dazu eine recht gelungene Auswahl unterschiedlichster künstlerischer Techniken und Stilrichtungen getroffen. Malerei und Skulpturen sind ebenso vertreten wie Foto-, Video-, Objekt- und Installationskunst.

Performance mit

der Straßenwalze

Statt der sonst üblichen großen Skulptur steht in diesem Jahr eine Straßenwalze auf dem Marienplatz. Sie diente der Kunstperformance „Grund und Boden“, in der Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck die extrem gestiegenen Grundstückspreise thematisieren. Dazu walzte das Künstlerpaar Farbpigmente auf je einen Quadratmeter großes Büttenpapier. Die kolorierten und ästhetisch ansprechenden Walzendrucke werden im Rathausfoyer gezeigt.

Insgesamt betrachtet haben viele der oft mehrteiligen Arbeiten einen narrativen Charakter. Meist sind es ganze Geschichten, die sich aus einzelnen Motiven heraus ergeben und erzählt werden. Das trifft auch auf Eva Lucie Triftshäusers Ölgemälde „Susanna im Bade I und II“ zu, in denen Sinnlichkeit und moralische Botschaft aufeinandertreffen. Die Ottobrunner Malerin hat das biblische Motiv, das bereits Rembrandt, van Dyck und anderen barocken Meistern einen legitimen Anlass zur Aktdarstellung gab, in die Gegenwart versetzt. Im Hier und Jetzt ist Triffthäusers Susanna in einem Glaszylinder gefangen. Schutzlos ist sie den voyeuristischen Blicken und Begehren der beiden angesehenen Richter ausgesetzt, die ihre Verweigerung damit rächen, sie hätten die tugendsame Frau beim Ehebruch ertappt. Erst der Prophet Daniel kann die beiden vermeintlichen Zeugen der Lüge überführen, so dass die Verleumder schließlich selbst zum Tode verurteilt werden.

In die Trostlosigkeit des ehemaligen Münchner Schlachthofes führen im Ganserhaus die beiden hyperrealistischen Gemälde „Viehhof I und II“ von Gerhard Prokop. Die Ölbilder auf Holzfaserplatten zeigen eine urbane Ödlandschaft, deren einzige Lebenszeichen nur noch farbenfrohe Graffiti an kahlen Mauern sind.

Ebenfalls in der Galerie des Kunstvereins findet sich eine abstrakt-expressionistische Dreier-Serie von Alexandra Huber. Die Collagen in Mischtechnik der Münchner Künstlerin nehmen in Text und Bild Bezug zum menschlichen Bewusstsein und dessen Bedürfnisse. Auch die Acrylbilder von Fritz K. E. Armbruster tauchen in das Unterbewusstsein ein. Sie sind dazu passend mit „zuversichtlicher Traum I und II“ sowie „Jugenderinnerung I“ betitelt. Die Fotoserie „Wasserwerfer“ von Jurymitglied Martin Weiand wiederum erinnert eher an ein kosmisches Ereignis als an eine Einsatztaktik, um Demonstrationen aufzulösen. Sie wird wie alle anderen Arbeiten der Jury im Städtischen Museum gezeigt.

Beachtung verdient in jedem Fall die Qualität der gezeigten Skulpturen. Feine Keramik-Miniaturen wie die Dreierserie „Beflügelt“, „Sommerfrische“ und „In der Sauna“ von Helga Zellner faszinieren ebenso wie die lebensgroße Statue „Bei drei spring ich“ von Thomas Hans. Die verstümmelte Stahlblechfigur empfängt die Ausstellungsbesucher im Rathausfoyer und beunruhigt mit einer irritierenden Ästhetik. Sie wirft die Frage auf, was hier wohl passiert sein mag.

Für heitere Entspannung wiederum sorgt die zergliederte Holzskulptur „Schauen was dahinter ist“ von Bildhauer Andreas Kuhnlein. Deren Hals endet an der Außenfassade des Ganserhauses. Der Kopf aber taucht im Raum drinnen wieder auf, genau so würde er die Arbeiten im Ganserhaus begutachten.

Bis 25. August

Zu sehen sind die Werke noch bis 25. August, täglich von 10 bis 18 Uhr im Rathaus und in der Galerie im Ganserhaus in Wasserburg, im Museum Wasserburg jeweils von Dienstag bis Sonntag 13 bis 17 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

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