Außerhalb der solistischen Karriere

von Redaktion

Die Kunst der Improvisation und des Begleitens beim Wasserburger Klaviersommer

Wasserburg – Die Organisatoren des Wasserburger Klaviersommers haben zwei Disziplinen außerhalb des Trainings für die solistische Karriere aufgegriffen: Das freie Spiel an den Tasten – die ehrwürdige Disziplin der Improvisation; andererseits das Begleiten – auch eine Urzelle der Musik am Tasteninstrument.

Belebende Improvisationen

Galina Vracheva brillierte am ersten Tag des alljährlichen Seminars in der ersten dieser Disziplinen. Was erwartet man von einer Improvisation? Zum Ausschmücken eines Themas wohl in erster Linie strukturelle Ideen, welche die Vorlage beleben. In diesem Sinne hatte die Collage aus den Beethoven-Symphonien 5, 7 und 9 durchaus Struktur und originelle Ideen, die Rhythmus und Atem der Werke aufleben ließen. Dagegen verblassten die „Spiegelungen“ bei Chopin vor dem Original, wobei übrigens die Mazurkas im tänzerischen Anschlag hinreißend gerieten! Bei Liszt hätte man mehr erwartet, und was die von den Zuhörern geforderten Themenbeiträge betraf: Viel mehr als harmonisches Geplänkel wurde nicht daraus.

Und so war der schönste und bewegendste Beitrag die Improvisation aus der Hand Johann Sebastian Bachs: Dessen Chromatische Fantasie und Fuge wurde von der Pianistin als Zeugnis genialer Vorwärtsschau überzeugend neu belebt.

Jetzt aber zum zweiten Sonderbeitrag des Klaviersommers: „Bitte hören Sie nicht auf mich!“ Hat man so etwas jemals von einer Sängerin vernommen? Gemeint war: Heute stehen meine weiblichen und männlichen Begleiter aus dem Seminar im Mittelpunkt!

Ja, Felicitas Fuchs konnte sich das leisten. Ihr Sopran erfüllte alles, was man von einer Stimme erwartet: Schmelz ohne viel Vibrato, makellosen Übergang zur Höhe im Pianissimo; ein Charisma, welches ausstrahlt auf Begleiter und Zuhörer. Dazu eine Art der Moderation, welche alle Gefühlsinhalte aus Lied oder Oper nahe bringt. Es wurde ein Gesangsabend der ganz besonderen Art.

Was ist wichtig beim Duo aus Gesang und Begleitung? Die Sängerin stellte Forderungen auf: Ein gemeinsamer, ja sogar gleichzeitiger Atem; eine Grundstimmung, welche die Singstimme nie allein vermitteln kann, „die richtige Farbe“ – so die Sängerin. Ja, und dann darf, soll mit solchem Rüstzeug vom Begleitpart sogar eine führende Rolle ausgehen. Können das denn 14- bis 20-Jährige? Es stellte sich an diesem Abend heraus, dass dies in vielfacher Weise möglich war: 14-Jährige steigen voll Elan ins Metier des Begleitens ein; entwickeln sogar eigene Vorstellungen zu einem Lied, bis hin zum älteren Teilnehmer, der sich schon zum Beruf als Begleiter entschieden hat.

Ganz persönlich und mit viel Liebe schilderte Felicias Fuchs ihre Erfahrungen aus diesem Lehrgang mit Jiayin Li, Fang Shen, Louisa Schneider, Felix Otto, Petra Bulgarin, Mayu Kawashima. Die bescheiden im Hintergrund wirkende Rita Kaufmann wurde gebührend gewürdigt, hatte sie doch ihre Erfahrungen als Begleiterin den Schülern stetig mitgeben können.

So entstand ein Programm aus Vielfalt und weiser Abstimmung der Inhalte: Die vier Jahreszeiten bildeten das Motto, wobei der Frühling am Anfang und am Ende stand. Herbstliches und Winterliches dazwischen, und im gemeinsamen Tun kam es bei den Liedern von Richard Strauss zu einem Höchstmaß an disziplinierter Empfindung. Natürlich gab es auch Beiträge aus Oper und Operette, wo das Spielen aus dem Klavierauszug gefragt war – kein Problem für die jungen Leute!

Als wurde Eliza Doolittles „I could have danced all night“ aus dem Musical „Fair Lady“ von der Sängerin kongenial gestaltet, und die Begleiter machten sich einen Spaß daraus, zu Sechst im „Rundlauf“ sich den Klavierstuhl zu teilen. Bravo! Voller Festsaal des Inn-Salzach-Klinikums und großer Beifall.

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