Ein Abend mit Chopin, Liszt und Co.

von Redaktion

„Schlussmarathon“ des Wasserburger Klaviersommers im Festsaal Gabersee

Wasserburg – Vier Stunden lang einem Aufgebot von 20 Tastenlöwen zu lauschen, ist fürs Publikum eine sportliche Herausforderung. Dennoch strömten die in Scharen in den Festsaal des Inn-Salzach-Klinikums, um die Leistungen und unterschiedlichen Temperamente der jungen und jüngsten Pianisten, weiblich wie männlich, fachkundig oder intuitiv „abzuschmecken“.

Spitzenreiter
war Chopin

Man lässt den Blick über den umfangreichen Programmzettel schweifen und nimmt beiläufig wahr, Spitzenreiter der Komponisten ist Chopin, Außenseiter der Russe Skrijabin, im ersten Block dominieren die Molltonarten… Manche Namen sind in ihrer Exotik nur schwer einzuordnen. Doch der künstlerische Leiter des Klaviersommers, Professor Klaus Kaufmann, klärt nach dem rauschenden Schlussbeifall auf: Diesmal seien nur acht Asiaten mit im Rennen gewesen, jedoch 15 Europäer, davon sogar sieben Teilnehmer aus Deutschland. Das ergab eine aufregend farbige, abwechslungsreiche Mischung!

Schon zu Beginn ließ Aurelius Kunze aufhorchen, weil er das e-Moll-Presto aus der Haydn-Sonate nicht einfach motorisch abspulte, sondern in feiner Abstufung der Dynamik die Motive und Phrasen modellierte. Die Jugendlichen, das gilt für alle Eleven, haben hörbar durch ihre kompetenten und inspirierenden Dozenten gelernt. Nardvadee Suthisomboon stürzte sich kraftvoll in Rachmaninows „Prélude cis-moll“, Louisa Schneider verband bei Beethovens Sonate f-Moll Kraft mit Sensibilität, und Zhizen Liu ließ Mozarts düstere c-Moll-Sonate transparent leuchten und arbeitete bewusst die Kontraste heraus.

Beethovens „Pathetique“ (in c-Moll) interpretierte Felix Ecker mit innerer Spannung, ohne Bombast und mit sparsamem Pedalgebrauch. Nun folgte Schubert mit dem Impromtu Es-Dur, das Ayse Cemre Agirgol hingebungs- und schwungvoll zelebrierte. Virtuos, aber mit Delikatesse, gelangen ihr die perlenden Girlanden. Minutiös kostete sie Modulationen und Übergänge aus. Den Block vor der ersten Pause beendete Elif Spor mit Chopins Scherzo in b-Moll. Da war eine mächtige Pranke gefragt. Der spezifisch Chopinsche Klangrausch riss das Publikum zu Beifallsstürmen hin.

Nach der Pause spielte Benedikt Huber vier Etüden von Chopin in konzentrierter Ruhe trotz der hohen technischen Anforderungen. Franz Liszt hat manches für Klavier solo bearbeitet, um es für sein pianistisches Level maßzuschneidern. Elias Haslauer brachte mit Lust und Liebe den poetischen Gehalt zweier Lieder von Schubert und Schumann in der Lisztschen Version zum Klingen.

Zwei Balladen von Chopin: Felix Otto betonte den kraftvollen Zuschnitt des g-Moll-Stücks, ließ die Bässe gleichsam orgeln und verlangte dem Flügel einiges ab. Konträr dazu die fein ziselierte Ballade in f-Moll, die Zikai Zhang fast introvertiert anging. Trotz seinem Gespür für lyrische Nuancen hielt er die Spannung bewundernswert durch.

Neue Impulse gab es besonders durch den Improvisationskurs der Pianistin Galina Vratcheva. Vladimir Popov „fantasierte“ vor Beethovens As-Dur-Sonate eine kleine Huldigung an den Meister, konzis, sauber gearbeitet und stilistisch auf Beethoven ausgerichtet.

Musik vom Feinsten bot vor der zweiten Pause Mayu Kawashima mit Mendelssohns beherrscht leidenschaftlichen „Variaions séreuses“ in d-Moll. Der gefeierten Pianistin gelangen sowohl die huschenden Leggiero-Partien wie auch die große Emphase. Da klangen die Bässe in bronzener Färbung wie Posaunen…

Mit einem Ausschnitt aus Schumanns „Kreisleriana“ brachte Ying-Ruei Zeng einen neuen Ton ins Programm. Jedes winzige Detail ist wichtig; der Pianist verwirklichte durchaus das geforderte „sehr innig“ und zauberte farbige, opalisierende Akkorde.

Souverän meisterte Andrei Preda Chopins Polonaise in As-Dur. Mozarts entzückend feingliedriges Rondo F-Dur inspirierte Dasom Woo zu einer kristallin wirkenden Zartheit des Spiels.

In die fast mystische Klangwelt von Alexander Skrijabin, in der schon das flackernde Wetterleuchten der Moderne zu ahnen ist, versenkte sich mit außerordentlichem Verständnis Petra Bugarin.

Überzeugende Improvisationen

Georg Thoma und Hyunji Kim überzeugten mit Improvisationen und mit Rachmaninows es-Moll-Etüde und Schumanns Fantasie C-Dur. Hyunji Kim bewies improvisierend Sinn für Witz. Zu guter Letzt war man am Ende der Aufnahmefähigkeit, das Publikum hatte zwar kaum geschwächelt. Man war dankbar, abschließend die phänomenale Jiayin Li mit dem nur virtuosen Geklingel von Franz Liszts „La Campanella“ zu hören, das aber in zirzensisch hinreißender Vollendung!

Zum Abschluss Dank und viel Beifall für die Dozenten. Die „Drohung“ von Professor Kaufmann, der nächste Klaviersommer komme bestimmt, wurde allseits mit Begeisterung quittiert.

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