Eine Fledermaus mit zwei Fröschen

von Redaktion

Glanzvolle Premiere bei Kufsteiner Operettensommer – Gastauftritt von Edita Gruberova

Kufstein – „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“, heißt es in der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, die beim Kufsteiner Operettensommer in der Arena auf der Festung ihre Premiere feierte. Doch dieser Abend war nicht zu vergessen, denn die Besucher erlebten eine glanzvolle Premiere der Überraschungen mit Überlänge und einen Höhepunkt der Inszenierungen der letzten Jahre.

Höhepunkt des Festes bei Prinz Orlofsky im zweiten Akt war am Premierenabend der Auftritt von Edita Gruberová. Die Primadonna, die ihre Opernkarriere im Frühjahr in München beendet hat, sang auf Einladung zweier Sponsoren exklusiv für die Premierengäste ihr ironisches Paradestück „Ach, wir armen Primadonnen“ und zeigte, dass sie auch als Opernrentnerin ihre Koloraturen in atemberaubenden Höhen singen kann. Das Publikum hielt es beim Applaus nicht mehr auf den Plätzen. Und der gut gelaunte Weltstar spielte und sang bis zum Ende des Aktes mit.

Martin Rassau und Volker Heissmann

Die nächste Überraschung war der Auftritt des fränkischen Komikerduos Volker Heißmann und Martin Rassau. Die Namen sagen zwar dem Tiroler Publikum wenig, aber die bayerischen Komikerstars sollen wohl die deutschen Gäste zum Operettensommer locken. Aber in dieser „Fledermaus“ war nichts mit „Waltraud und Mariechen“: Martin Rassau gab einen extrem gelangweilten, exzentrischen Prinzen Orlofsky in Yul-Brynner-Manier und Mongolenoutfit, der bei Rassaus Können ruhig komischer hätte sein dürfen. Dafür zog sein Partner Volker Heißmann als besoffener Gefängniswärter alle Register. Und da Regisseur Karl Absenger nicht auch der Schauspieler, Sänger und Regisseur Georg Pichowetz zur Verfügung stand, gibt es heuer in Kufstein einen deutschen und einen österreichischen „Frosch“ in einem herrlich-komischen Doppelspiel, die sich die kabarettistischen Bälle zuspielen, denen aber auch kein Kalauer zu blöd ist. Und weil die Herren „Forsch“ und „Frosch“ so inspiriert sind, dauert das Stück auch eine halbe Stunde länger. Früher war die Festung in Kufstein ein finsterer Kerker, in diesen Tagen ist dort das fidelste Gefängnis, in denen Heißmann und Pichowetz die Skandale der österreichischen Politik, aber auch das deutsch-österreichische Grenzverhältnis satirisch aufspießen.

Aber was war eigentlich in der Operette los? DirigentGuido Mancusi legte mit dem in Kufstein bewährten Orchester der Staatsoper Timisoara (Temeswar) schon bei der berühmten Ouvertüre ein flottes, forsches Tempo vor. Das Orchester spielte bis zum Ende mit der nötigen Beschwingtheit, aber auch Genauigkeit. Karl Absenger konnte sich in seiner – bis auf die besonderen Gäste – konventionellen Inszenierung auf seine durchweg hervorragenden Sängerinnen und Sänger verlassen. Selbst Nichtsänger Martin Rassau interpretierte ganz passabel „Ich lade gern mir Gäste ein“.

Das Verwirrspiel der Handlung (Libretto von Richard Genée) scheint als Aufhänger für die dargebotene Hitparade der Operettenschlager – nicht umsonst gilt „Die Fledermaus“ als Höhepunkt der Operettengattung“ – fast nebensächlich und doch wird einer hedonistischen, Überflussgesellschaft, deren einziges Bestreben das Vergnügen ist, der Spiegel vorgehalten. Dabei ist das Bühnenbild, das mit passenden Sitzmöbeln schnell vom Salon zum Festsaal und zum Gefängnis umgestaltet wird, zweckmäßig und in nüchternem Grau gehalten. Dafür hat sich Bühnenbildnerin Andrea Kuprian-Maier, die auch für die Kostüme verantwortlich ist, bei der aufwendigen Garderobe aus der Zeit der Handlung (Uraufführung 1875) nicht zurückgehalten.

Ein Genuss waren die Stimmen der litauischen Sopranistin Viktorija Kaminskaite als betrogener und betrügender Ehefrau Rosalinde von Eisenstein und der israelischen Sopranistin Rinnat Moriah als listig-kokettes Stubenmädchen Adele. Allein der wienerische Dialekt ging ihr etwas schwer über die Lippen. Gesanglich ebenbürtig war Sebastian Reinthaller als vergnügungssüchtiger Gabriel von Eisenstein, der von seinem Freund Dr. Falke ( erstklassig Michael Havlicek) hinters Licht geführt wird. Auch die anderen Ensemblemitglieder konnten begeistern: Mehrzad Montazeri als Gesangslehrer und Liebhaber von Rosalinde Josef Forstner als witziger Gefängnisdirektor Frank, Ernst Dieter Suttheimer als stotternder Advokat Dr. Blind und Roswitha Straka als Adeles Schwester Ida. Zum Erfolg des Abends trugen auch der Wiener Volksopernchor und der Ballettverein der Volksoper (Choreografie Harald Baluch) bei.

Das war eine „Fledermaus“, die man so schnell nicht vergessen wird. Da wird wohl eher noch über die Skandale im Nachbarland Österreich, das Gras wachsen. Ja, glücklich ist, wer vergisst!

Bis 17. August

Weitere Aufführungen am 9. August (20 Uhr), 10. August (19 Uhr) und 11. August (17 Uhr) sowie am 15. August (17 Uhr), 16. August (20 Uhr) und 17. August (19 Uhr). Infos unter www.operettensommer.com.

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