Bernau – „Achte is‘, mir dan obacka!“ Mit diesen Worten und einer kurzen Begrüßung eröffnete Franz Praßberger, Vorsitzender des Gebirgstrachtenvereins Bernau „D’Staffelstoana im Festzelt ein grandioses Konzert zum 120-jährigen Bestehen des Vereins. Es war eine Weltpremiere, denn erstmals spielten die Bläser der Münchner Philharmoniker sowie einige Gäste aus anderen symphonischen Orchestern in einem Bierzelt.
Am Dirigentenpult stand Albert Osterhammer, der die Bernauer Blaskapelle leitet, sonst bei den Münchner Philharmonikern die Bassklarinette spielt und deshalb das musikalische Großereignis vor rund 2000 Zuhörern zustande brachte. Sein Name hat in Bernaus Musikleben Tradition, denn schon seine Vorfahren haben dort seit 100 Jahren Musikkapellen geleitet. Die Moderation dieses außergewöhnlichen Festkonzerts übernahm Traudi Siferlinger, eine studierte Musikpädagogin, seit 2005 bekannt durch die „Wirtshausmusikanten beim Hirzinger“. Da hatte man nicht nur eine kompetente Musikerin eingeladen, die mit großem Hintergrundwissen durch das anspruchsvolle Programm führte, sondern auch eine humorvolle Entertainerin, die mit Witz und Charme zwischen den Stücken immer wieder das Publikum mit einbezog, es zum Mitsingen und sogar zum Jodeln animierte und im Laufe des Abends alle Musiker einzeln vorstellte.
Gespielt wurden Kompositionen, wie man sie meist nur in Konzertsälen zu hören bekommt. Mit sauberer Intonation, einem überwältigenden Klangvolumen und empfindsamer Dynamik präsentierte das Orchester konzertante Märsche, Polkas, Walzer und andere symphonische Kostbarkeiten. Feierlich und getragen begann das Konzert mit „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“ und setzte sich fort mit Franz von Suppés „Leichter Kavallerie“, eingeleitet durch ein Trompetensignal und berührend durch melancholische Passagen.
Mitreißend und schmissig kamen die schnellen Polkas wie etwa das „Perpetuum Mobile“ von Johann Strauß, der „Musikantentraum“ oder die „Lottchen-Polka“, von Traudi Siferlinger passend angekündigt im böhmischen Sprachduktus. Auch die Märsche sind im Bierzelt eher weniger zu hören: Der dem gleichnamigen bayerischen General gewidmete „Von-der-Tann-Marsch“ von Andreas Hager oder der „Marsch di Medici“ von Johan Wichers wären da zu nennen. Franz Lehárs „Gold und Silber“ dürfte der bekannteste Walzer sein, der an diesem Abend erklang.
Obwohl das Orchester aus zahlreichen Blasinstrumenten von der Piccolo-Flöte über Oboe, Klarinetten, Hörner, Trompeten bis Posaunen und Tuba bestand, durften zwei Schlagzeuger solistisch auftreten: Jörg Hannabach überzeugte mit einem spannungsgeladenen Trommelsolo in Franz Bummerls „Lieblingstrommler“ und Michael Leopold erinnerte am Xylophon virtuos an „Zirkus Renz“.
Es war bereits kurz vor Mitternacht, als nach diesem musikalisch vielseitigen Konzert und zwei heiß erklatschten Zugaben die Bernauer Blaskapelle auf die Bühne kam und zusammen mit den Münchner Philharmonikern als krönenden Abschluss den „Kaiserin-Sissi-Marsch“ intonierte.