Aschau – Die Oboen-Meister Hansjörg Schellenberger (Deutschland) und Maurice Bourgue (Frankreich) riefen, und sieben Oboen-Meisterschüler aus aller Welt kamen zur Meisterklasse. Das Abschlusskonzert fand in der Sachranger Pfarrkirche St. Michael statt.
Die Oboisten Yonghua Su und Liqun Ma (beide China) und Regula Weiss (Schweiz) am Englischhorn eröffneten mit den Variationen über „La ci darem“ von Ludwig van Beethoven. Das bekannte Duett aus der Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart war hier unterhaltsame Kunst, souverän dargeboten von drei jungen Musikern, die punktiert, figurierend, imitierend und kanonartig polyphon mit ihren warm klingenden Instrumenten das vertraute Thema immer wieder anders darstellten. Rino Kameay (Japan) spielte die Fantasie in B-Dur für Oboe solo von Georg Philipp Telemann: herrlich singendes andante, flottes Tempo im presto – ausdrucksstarke Umsetzung der kompositorischen Barockfantasie.
Antal Doratis „Cinq Pieces pour hautboise seule“ spiegeln schon in den Titeln den Inhalt wider, und doch gelang es der Spanierin Immaculada Veses, den Erzählungen ihren Stempel aufzusetzen: Sei es bei der Fabel „La fourmie et la Cigale“ (Die Ameise und die Grille) der wetteifernde Dialog der beiden Tiere, beim „Lettre d‘ amour“ (Liebesbrief) das sehnsüchtige Werben oder beim „Legerdemain“ (Taschenspielerei) die kapriolenhaften, ironischen Zaubereien des Magiers, hier mit der Zwölf-Ton-Reihe.
Mit Barockmusik – für Oboe(n) und Cembalo – wurde dann im Programm weitergezaubert. Aleksandra Kindic (17) aus Serbien gestaltete die Sonate a-Moll TMV 41:a3 von Telemann wunderbar lebendig, mit Kern im Ton und dennoch sauber in der Artikulation. So war die Siciliana Eleganz, das Spirituoso Frische und Beschwingtheit. Cristina Perez (Spanien) und Rino Kameya ergänzten sich hervorragend bei der Triosonate op.2 Nr. 4 von Georg Friedrich Händel, behutsam, neckend, selbstbewusst und heiter.
Yonghua Su gestaltete das Concert Royale Nr 2 von Francois Couperin edel-barock: Mit schlankem Oboenton und meisterlich ausgestalteten Praller und Trillern sah man sich in die Zeiten des Barocks zurückversetzt. Seine Partnerin am Cembalo, Alina Artemyeva (Ukraine), stand ihm in Sachen spieltechnischer Souveränität und Sorgfalt der Phrasierungen in nichts nach. Hämmernder Rhythmus, klare Diktion, sanft perlende Verzierungen – eine wahre meisterliche Ergänzung zum Oboenklang.
Dass die beiden alten (Verzeihung!) Meister und Professoren Schellenberger und Bourgue keineswegs zum alten Eisen gehören, sondern immer noch genügend Atem und Spannung haben, bewiesen sie bei Wilhelm Friedemann Bachs Allegro aus Duo Nr 1. für zwei Oboen: Brilliant lebendig, beredt und frisch, edle, singende und biegsame Oboentöne, und dazu noch flottes Tempo. Als würdige Nachfolger erwiesen sich Immaculada Veses, Cristina Perez und Yonghua Su – das Capriccio für drei Oboen von Carlo Yvon ist eine hochvirtuose Sonate, die den drei Spielern spieltechnisch nichts schenkt und in der – mit Ausnahme in der grandiosen Schlusspassage, bei der die erste Oboe dominiert – alle drei Oboen gleichberechtigt sind. Da war das Hören nicht Pflichtübung, nein, es war eine Ehre, dieser hohen Erzählkunst lauschen zu dürfen.