Amerang – Dass er im wirklichen Leben Zahnarzt ist, daraus macht er kein Geheimnis. Ob Autogrammwünsche oder dicke Backe – in seiner Praxis ist jeder willkommen: „Kimmst hoid einfach vorbei“. Dr. Klaus Kohlpaintner alias Dr. Kingsize ist Bayerns bekanntester Elvis-Imitator. Dass es ihm dabei gar nicht so sehr darum geht, eine perfekte Kopie des „King of Rock’n’Roll“ zu sein, macht ihn äußerst sympathisch.
Nach eigener Aussage befindet sich Dr. Kingsize bereits seit 2013 auf Abschiedstournee. Doch wie soll man angesichts ausverkaufter Häuser Schluss machen? Eben. „I spui weida!“ sein Fazit. Und so begeisterte der „Elvis aus Burghausen“ seine Fans einmal wieder auf Schloss Amerang.
Von Aufmachung und Statur her an den Elvis Presley von 1975 erinnernd, genoss der Entertainer seinen ersten Aufzug im mit Glitzersteinen besetzten Goldsakko sichtlich. Der „King“ war 1,82 Meter groß, Dr. Kingsize legt noch gut 15 Zentimeter drauf. „A mordsdrum Mannsbuid“, wie eine Dame im Publikum anerkennend bemerkte. Beim ersten Song, dem frühen Hit „Blue Suede Shoes“, verweilte der Zwei-Meter-Mann mit umgehängter Gitarre und gespreizten Beinen in cooler Elvis-Pose. Allein das rechte Bein wippte im Takt. Umso beweglicher die Stimme, immer wieder verblüffend nah am Original. Vom rhythmischen Klatschen der Zuhörer begleitet folgten „All Shook Up“ und „Treat Me Nice“.
Gospel-Musik spielte im Leben und auch im Repertoire von Elvis eine große Rolle. Dr. Kingsize & The Celebrations würdigten dies mit den Genre-Klassikern „Amazing Graze“, „Working On The Building“ und „Why Me, Lord?“. Die drei „Celebration Singers“, die bis dahin im Hintergrund agiert hatten, stellten nun ihre Qualität als Gospelchor unter Beweis und wurden dafür mit reichlich Zwischenapplaus belohnt. Toni Cardone wurde für sein inbrünstiges „O Sole Mio“, mit dem er Kingsize eine Vorlage für „It’s Now or Never“ bereitet hatte, gefeiert.
Im Gospel zuhause war auch Johnny Cash, ebenso in Blues und Rockabilly. Im schwarzen Gehrock und mit Cowboyhut erwies Kingsize mit den Hits „Ring On Fire“, „I Walk The Line“ und „Get Rhythm“ seine Referenz an die Country-Legende. Im Duett mit Celebration-Sängerin Julia gelang das Duett „Jackson“ ganz großartig. Für mitreißenden Rhythmus sorgte die routiniert spielende Band, allen voran der junge „Peter am Bass“.
In den 1950er-Jahren wurden Cash und Presley als Rivalen gehandelt. Im Schloss war und blieb der King unangefochtener Held des Abends und nach einem kleinen Exkurs der Celebrations Singers mit Country-Songs aus der US-Serie „Nashville“ ließ Dr. Kingsize zu „That‘s All Right, Mama“ und „Heart Break Hotel“ auch endlich seine Hüften kreisen. Als „Suspicious Minds“ angespielt wurde, hielt es bald niemanden mehr auf den Stühlen. Und weil Dr. Kingsize nun einmal Zahnarzt ist und das Publikum so brav mitgemacht hat, gab es am Ende auch ein kleines Geschenk zum Mitnehmen.