Milbing und Obermühl

von Redaktion

Es ist schon erstaunlich, wie stark der Sprachwandel oftmals die ursprünglich gut erkennbare und nachvollziehbare Namensgebung unserer Ortschaften regelrecht verdunkelt hat. Ein Mensch des 12. Jahrhunderts, der damals in Muliweng beziehungsweise Mulewingen lebte, hätte sich wohl ziemlich gewundert, wenn sein Heimatort nunmehr „Milbing“ hieße. Milbing ist jetzt ein Gemeindeteil der Gemeinde Brannenburg.

Aufgrund der starken sprachlichen Veränderungen ist es aber überhaupt keine Schande, wenn weder eine einheimische noch eine zuagroasde Einwohnerin ihren eigenen Ortsnamen erklären kann. Muliweng wäre aber doch klar zu deuten, meine Damen, oder? Der Bestandteil muli ist althochdeutsch und aus dem lateinischen molinae, auch mola, entlehnt. Im etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache von Kluge/Seebold steht, es bezeichne „die mit Wasserkraft betriebene Mühle, die die alte Handmühle (althochdeutsch kurn, quirn) verdrängt“. Unser Kirnstein bei Niederaudorf wird hiervon – neben anderen Möglichkeiten – als „Quirnstein“, also „Mühlstein“ erklärt.

Nicht ganz so deutlich nachvollziehbar ist freilich der zweite Namensbestandteil von Milbing. Dieser beruht auf althochdeutsch wanc = Feld, Ebene, Grasgefilde, das wir etwa von Törwang und Höslwang her kennen. Milbing ist also als „Mühle am/im Feld“ zu deuten.

Nicht ganz uninteressant ist die Aussprache von Milbing als „Milbing“. Die Mühle ist nicht zur „Mui“ geworden, sondern über die Stufen muli und mule eine „Mil“, ähnlich der englischen „mill“, geblieben.

Helmut Pabst bestätigt in seinen beiden Werken „Das Buch von Brannenburg“ (1975) und „Brannenburger Notizen“ (2009) die Existenz von Mühlen im Bereich von Milbing. Hierdurch kann die Namensgebung von Milbing auch in der Realprobe abgesichert werden.

Im Falle von Obermühl gibt es dagegen auch im Ansatz keinen Zweifel darüber, woher der Name kommt. Der gebürtige Obermühler und jetzige Derndorfer Karl Fischbacher berichtet von seinem Geburtsort Folgendes: „Obermui hod seinerzeit glei zu drei Gmeindn ghört! Inser Haus und noo zwoa andane auf Hoizhausn, oiso Großholzhausen, der Hof ‚bein Oswoid‘ auf Reischenhart und b Mui und d Sog – die Mühle und das Sägewerk – auf Rauwen, Raubling, umi“.

Die Gebietsreform von 1978: Überfällige Neuordnung des bayerischen Gemeindewesens oder Beseitigung gewachsener Strukturen? Heutzutage ist Obermühl – das „mühl“ im Namen wird betont – seit gut 40 Jahren wegen der Eingemeindungen von Reischenhart und Großholzhausen in die Gemeinde Raubling allein der Gemeinde Raubling zugehörig.

Ebenfalls sehr interessant ist aber ein weiterer Hinweis unseres Gewährsmannes: „B Mui und d Sog san genau dort gschdandn, wo iatz dees WWK-Forum is“. Fürwahr eine ideale Lage für eine Mühle: Sie lag direkt am Litzldorfer Bach.

Die erste Nennung des Weilers lautet in einem Salbuch des 16. Jahrhunderts „Obermüln“. Außerdem gibt es im Ort noch eine Mühlenstraße. Ob dort die „untere“ Mühle im Gegensatz zur „oberen“ Mühle stand, bleibt derzeit noch zu diskutieren. Armin Höfer

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