Aschau – Ob ein Klassik-Festival erfolgreich ist, entscheidet nicht der Kartenerlös, sondern die Qualität. Es ist zwar erfreulich, wenn auch der Ticket-Verkauf stimmt, aber: Wer die Pflege des Kulturerbes einzig mit Quote und Wirtschaftlichkeit misst, verkennt den Sinn von Kultur. Auch in diesem Jahr war „Festivo“ erfolgreich. Das zeigen auch die Besucherzahlen. So waren die ersten fünf Konzerte ausverkauft und die letzten zwei sehr gut besucht.
Künstlerische Qualität hochgehalten
Gleichzeitig sind die Einnahmen gestiegen, obwohl es diesmal sieben statt acht Konzerte gab. Wichtiger ist jedoch: Erneut wurden bei „Festivo“ künstlerisch hochwertige, bleibende Ereignisse geboten. In den 27 Jahren seit Gründung der Aschauer Kammermusikreihe ist die Qualität stabil geblieben, obwohl der Druck auf die Klassik gleichzeitig zugenommen hat. Bei „Festivo“ hält man eben an Grundsätzen fest. Jedes Konzert ist eine neuerliche Überraschung. Von Routine kann keine Rede sein, und das ist gut so. Denn Routine ist der Tod jedweder Kreativität. Genau dies ist das Geheimnis des „Festivo“-Erfolgs, so auch jetzt beim großen Finale in der Festhalle Hohenaschau. Im Zentrum standen die zwei Klavierquartette von Wolfgang Amadeus Mozart. Am Flügel saß Dejan Lazic Bei „Festivo“ ist der Spitzen-Pianist aus Kroatien ein bekanntes Gesicht. Dagegen liegt der letzte Auftritt des Geigers Benjamin Schmid etwas länger zurück. Mit Enrico Bronzi am Cello und „Festivo“-Leiter Johannes Erkes an der Bratsche haben sich vortreffliche Mozart-Anwälte zusammengefunden. Das Ergebnis war einmal mehr eine Überraschung.
Es war nämlich nicht so sehr das populärere g-Moll-Klavierquartett KV 478, das die meisten Aha-Momente generierte, sondern das Schwesterwerk KV 493. Letzteres steht im freundlicheren Es-Dur und ist gerade deswegen interpretatorisch weitaus tückischer als das schroff-kantige g-Moll-Werk. Hier eine intensive, packende Deutung zu entwickeln, zeugt von größter geistiger Durchdringung – weil man sich nicht hinter Effekten verstecken kann.
Mit dem Larghetto des Mittelsatzes gelang ein intim-verklärter Gesang ohne Worte von berückender Schönheit, um in den Ecksätzen viel Verve und Esprit leben zu lassen. Ein verdüsterter, höchst intensiver Hörkrimi wurde zuvor das Klavierquartett in g-Moll. Dieser Mozart-Reigen wurde von einer Bearbeitung von Lazic abgerundet. Hierzu hat der Pianist den Finalsatz aus der Klaviersonate KV 333 für Klavierquintett arrangiert. Ein „Rondo Concertante“ ist das Ergebnis, das wie aus der Feder Mozarts klingt. Tatsächlich ist die Idee brillant: In diesem Finalsatz erscheint eine Art Solo-Kadenz, als ob diese Klaviersonate eigentlich ein Klavierkonzert sein möchte. Schon 2018 wurde diese Bearbeitung uraufgeführt. Beim Finale des „Festivo“ wurde jetzt die Ersteinspielung realisiert, mit Zen Hu an der zweiten Violine. Denn: Im Frühjahr soll beim Klassik-Label „Onyx“ eine CD erscheinen.
Konzert für
CD aufgezeichnet
Dafür werden die zwei Klavierquartette Mozarts mit der Bearbeitung von Lazic gekoppelt. Hierzu wurde das „Festivo“-Finale aufgezeichnet, samt weiteren Aufnahmen am Folgetag. Wer nicht dabei war, darf sich auf diese CD freuen. Es wäre wünschenswert, dass solche „Festivo“-CDs häufiger realisiert werden – gerade weil sie den großen Erfolg der Aschauer Kammermusikreihe dokumentieren.