Amerang – Ganz anders als bei „Rundherum“, als er für seinen „Versuch einer Weltreise“ die Wanderstiefel geschnürt hatte, trat Max Müller im Programm „Tierisch!“ im eleganten dunklen Zweiteiler auf – passend zu seiner Begleitung am Klavier, dem Österreicher Volker Nemmer. „Wenn es um Tiere geht, dann menschelt es meistens ganz ordentlich“, leitet Müller in das Thema des Abends ein. Den eigenen Schwächen und Unvollkommenheiten im tierischen Gewand zu begegnen sei eine nette Sache – „noch dazu vorwiegend heiter“.
Das Publikum hängt dem charmanten Entertainer an den Lippen, wenn er Lieder mit Wiener Schmäh interpretiert („Das herrlichste Leb’n ham die Gelsen“), in wohlartikuliertem Hochdeutsch Chansons im Stile der Comedian Harmonists zum Besten gibt („In der Bar zum Krokodil“) oder – ganz lyrischer Bariton – Franz Schubert singt („Die Forelle“). Und Max Müller liegt seinem Publikum zu Füßen: Als leichtfüßiger Papageno trällert er, den Kopf leger auf Hand und Ellenbogen gestützt, die bekannte Arie „Der Vogelsänger bin ich ja“ aus Mozarts „Zauberflöte“ – um flugs wieder in den Stand zu kommen und „Hier ruht ein lieber Narr“, ein Gedicht des jungen Mozart, zu zitieren.
Schlüpft in die
Rolle tierischer Helden
In seiner unnachahmlichen Art rezitiert der Schauspieler, der vor allem als Michi Mohr aus den „Rosenheim Cops“ bekannt ist, Gedichte von Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz und Peter Hammerschlag. Er schlüpft in die Rolle seiner tierischen Helden, mimt Meerschweinchen, Regenwürmer, Schnecken und Erdmännchen. „Fisches Nachtgesang“ reduziert der Schauspieler wortlos ganz auf die Mimik: während die Hände an Kopf wie Kiemen auf- und zuklappen, weitet der Mund sich zum charakteristischen „O“.
Den jugendlichen Schelm hat sich Max Müller, Jahrgang 1965, bewahrt. Bei der Auswahl der Lieder und Texte beweist er ein sicheres Gespür für den feinen, intelligenten Humor. Hier gibt es keine Kalauer und keine Zoten, keine Schenkelklopfer und keine Ohrwürmer zum Mitklatschen. Der Zuhörer hält inne und spürt dem Gehörtem nach, um gleich aufs Neue eingenommen zu werden.
Dieser Humor ist von zarter, oft kindlicher Natur. Etwa die Geschichte von der Kröte, deren Sohn, ganz zu ihrem Verdruss, mit dem Militär liebäugelt, und schließlich zur Schildkröte wird. Oder die Schnecke, deren Haus Schaden genommen hat, wegen all dem „Schnell, schnell“. Für die Mundartgedichte von Wilhelm Rudnigger (1921 bis 1984) fällt der 1965 in Klagenfurt Geborene unvermittelt ins Kärntnerische. „Im Sinne der Völkerverständigung“ liefert er dem deutschen Publikum die Übersetzung simultan mit: „Die Krot – die Kröte“, „Die Schneckn – die Schnecke“.
Das Programm „Tierisch!“ verzaubert nicht zuletzt mit der Patina längst vergangener Zeiten. Max Müller zaubert Konfetti aus seiner Hosentasche und zahlreiche Kostbarkeiten auf die Bühne, wie das Chanson „Ein kleiner Bär mit großen Ohren“ von Horst „Harry“ Winter (1914 bis 2001).
Zur Überraschung des Abends gerät das heitere Katzenduett von Rossini, das „Duetto buffo di due gatti“. Müller ist Kater und Katze zugleich und glänzt mit zwei Singstimmen: Bariton und Sopran. Chapeau!