Vereint im Zeichen der Musik

von Redaktion

Immling-Festival Finale Grande begeistert – Intendant optimistisch für 2020

Halfing – 35 Nationen vereint im Zeichen der Musik – das ist das Immling-Festival. Dabei stand das Grande Finale dieses Mal unter einem besonderen Stern: Ist es denn zugleich das Finale von Immling? Nicht, wenn es nach Intendant Ludwig Baumann geht. Man strebe alles an, um per städtebaulichen Vertrag die Zukunft des Festivals zu sichern, hieß es auf Nachfrage am Abschlussabend des Festivals 2019.

Inbrünstige Liebesschwüre

Liebesschwüre und Umwerbungen wurden beim Finale Grande inbrünstig vorgetragen. So brachten Anastasia Churakova (ausdrucksstark sowie stimmlich gereift) und Tshegofatso Moeng (einfühlsam) „All I Ask of You“ aus dem Musical „Phantom der Oper“ auf die Bühne. Das beschworene „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Lehárs „Das Land des Lächelns“ konnte so manchem Partner als Kompliment-Vorlage dienen. Ludwig Baumann selbst nutzte dies und intonierte im Festzelt spontan Mozarts „Là ci darem la mano“ („Reich mir die Hand mein Leben“) für seine Cornelia von Kerssenbrock.

Die Dirigentin leitete charmant Orchester, Chor und Solisten, band humorvoll das Publikum ein und animierte es, wenn es nur zögerlich mitsummte oder klatschte. Das Orchester spielte unter von Kerssenbrock geschmeidig weich und mit Leichtigkeit. So wirkt bei ihr der Slawische Marsch von Pjotr Tschaikowski oder der Säbeltanz von Aram Chatschaturjan gerade zu spielerisch – und zeugt zugleich von dem hohen Können des Orchesters.

Von der ersten Note an nahm das Festivalorchester sowie der Immlinger Festivalchor die Zuhörer gefangen – und Letzterer nicht nur bei seinem Paradestück, dem Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“. Das „Va, pensiero, sull‘ali dorate“ war einmal mehr ein Klangerlebnis. In den Forte-Momenten sang der Chor wie eine Wand, aber nie überdimensioniert, nie fühlte man sich niedergesungen.

Die 19 Solisten standen in nichts nach und stellten ihr Können mit Spielfreudigkeit und Witz unter Beweis. Die Tenorstimmen von Jenish Ysmanov und Aliahmad Ibrahimov stachen unverkennbar hervor. Gleich ob als Solist oder im Duett beispielsweise mit Lussine Levoni (Sopran) als Rudolfo und Mimi – die Stimmen harmonierten vortrefflich.

„Mein Sehnen, mein Wähnen“ von Erich Korngold ließen Modestas Sedlevivius und Katja Bördner (vom Balkon aus) erklingen. Bördner stellte ihre Flexibilität und ihr Können in ihrem Solo aus Brad Carrolls „Lend me a tenor“ unter Beweis. In dem Stück wechselt sie – verschiedene Arien und Lieder anstimmend – in rasantem Tempo hin und her. Keine leichte Aufgabe, die sie aber mit Bravour und lächelnd absolvierte. Sergiu Saplacan erntete Bravo-Rufe für „Als flotter Geist… –Ja, das alles auf Ehr“ aus Strauß „Der Zigeunerbaron“ und interagierte mit den Zuhörern.

Ein Feuerwerk aus Georges Bizets „Carmen“ gab es im Quintett von Jina Choi, Caren Maxerath, Franziska Wetzler, Tshegofatso Moeng und Aliahmed Ibrahimov sowie in der Folge zudem mit Simon Duus, Ilya Lapich, Luthando Qave (brillierte zudem mit „Stars“ aus „Les Misérables“) und Modestas Sedlevicius. Einzig die „Turnübung“ à la Macarena war – obwohl unterhaltsam – nicht für jeden Geschmack. Das Können von Evan Alexis Christ – als Dirigent im Wechsel mit Cornelia von Kerssenbrock im Einsatz – steht außer Frage. Sein Einsatz und sein Mitleben der Stücke ist inbrünstig – leider oftmals eine Spur zu viel und so ist man von den Darbietungen der Künstler abgelenkt.

Tuncay Kurtoglu sowie Beatrix Diaz, Ivo Stanchez sowie Ilya Lapich, Forooz Razavi und Victor Campos Leal ergänzten das Solisten-Ensemble auf ihre gefühlvolle, tiefgründige und kokette Art und Weise. Bei den Zugaben – traditionell wird bei „Libiamo ne lieti calici“ aus Verdis „La Traviata“ mit Sektgläsern angestoßen – feierten Künstler und Publikum gemeinsam eine gelungene Festivalzeit.

Dabei mutete die Bühne teils sakral an – vor allem bei „Coronation Anthems“ – auch bekannt als Championsleague-Hymne. Der Festivalchor jubelte dabei mehrfach „Long live the king“ (Lang lebe der König“). In Immling gilt in Abwandlung: „Lange lebe das Festival“. Passend dazu: der Gruß auf der Leinwand – „Auf Wiedersehen in 2020“.

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