Seeon – Ein besonderes Erlebnis war der musikalische Festabend in der ausverkauften Klosterkirche St. Lambert in Seeon zum Anlass von Leopold Mozarts 300. Geburtstag. Im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach musizierten das Salzburger Barockensemble und das Collegium Vocale der Salzburger Bachgesellschaft unter Leitung von Peter Tilling.
Der Gründer des Barockensembles, Albert Hartinger, war kurz vorher erkrankt, so dass der stellvertretende Generalmusikdirektor und Kapellmeister des Nürnberger Staatstheaters, der heuer für die Bayreuther Festspiele die Einstudierung des „Parzival“-Chores übernommen hatte, kurzfristig einsprang.
Programm folgte katholischem Ritus
Das Programm begann mit Leopold Mozarts Lauretanischer Litanei in F-Dur, einer eindrucksvollen Kantate, bei der sowohl das Collegium Vocale als auch das Barockensemble ihr virtuoses Können offenbarten. Es folgte Joseph Haydns Konzert für Orgel und Streicher in F-Dur, bei dem Michaela Aigner der historischen Truhenorgel von Seeon glockenhelle und -klare Töne entlockte. Das Barockensemble spielte durchgehend auf alten Originalinstrumenten, was auch beim Kontrabass, gespielt von Markus Hinterholzer oder den beiden Violinen (Daniela und Florian Beer) ein besonderes Klangerlebnis bedeutete.
Das folgende Programm von Vater und Sohn Mozart war nach dem Ritus der katholischen Messe aufgebaut: Es erklangen Kyrie und Gloria aus Wolfgang Amadeus Mozarts berühmter Missa Brevis B-Dur, KV 275, dann zum Graduale seine Kirchensonate Es-Dur, KV 69 und das eigens für Seeon komponierte „Inter natos mulierum“ KV 74f zum Offertorium.
Technisch versiert mit großem Können und Hingabe an die Musik spielte das Salzburger Barockensemble, im Zusammenspiel fein aufeinander abgestimmt. Dirigent Peter Tilling erwies sich auch als hervorragender Cellist.
Die gesanglichen Darbietungen waren durchweg von großer Ausdruckskraft mit wunderschönen Stimmen, von denen jede einzelne auch klar Solistenstimme ist. Besonders lange Solopartien hatten die Sopranistin Bettina Meiners und der Tenor Virgil Hartinger zu bewältigen, was beiden mit Bravour und scheinbar mühelos gelang. Ein kleiner Wermutstropfen im durchweg perfekt geplanten Konzertablauf war das in riesengroßen Buchstaben gedruckte Programm, das mehrfach in falscher Reihenfolge und unvollständig war, so zum Beispiel die Mitwirkenden nicht namentlich aufführte.
Das Programm endete dem Ritus der Messe nach folgerichtig mit Leopold Mozarts „Parasti mensam“, seiner Motette zum heiligsten Sakrament für Soli, gemischten Chor, Orgel und Orchester und zu allerletzt mit dem kurzen, aber ungemein beeindruckenden Stück „Stella coeli“ (Stern des Himmels), geschrieben von Pater Romanus Pinzger (1714 bis 1755). Der aus einer Musikerfamilie stammende Geistliche und Musiker war Leiter des Benediktinerstiftes Seeon und hatte dieses Stück – wie manch andere Komposition – eigens für die Klosterkirche St. Lambert geschrieben.
Wie zu erwarten erzwang das begeisterte Publikum nach lang anhaltendem Applaus eine Zugabe, wobei Pinzgers „Stella coeli“ noch einmal erklang. Ein berauschender Abend, was dem Gesamterlebnis Kompositionen, Interpreten und Raum zu verdanken war.