Schön, wenn unsere Serie „Vo Ort zu Ort“ zu Diskussionen unter der Leserschaft anregt. So hören wir von mehreren Reaktionen, die auf den letzten Artikel „Milbing und Obermühl“ erfolgt sind.
Hans Vogt, ehemals stellvertretender Betriebsleiter und jetzt Autor („Chronik der Wendelsteinbahn GmbH“) der Wendelsteinbahn zu Brannenburg, korrigiert die im Artikel „Milbing und Obermühl“ veröffentlichte Aussprache von Milbing als „Milbing“. Milbing, gegenwärtig ein Ortsteil der Gemeinde Brannenburg, war bis vor dem Jahre 1972 Teil der Gemeinde Degerndorf, die seitdem in die Gemeinde Brannenburg integriert ist.
Der Milbinger Hans Vogt diskutierte also mit seinen Kameraden über die Aussprache Milbings. Dabei gab es keine einheitliche Meinung. Vogt schreibt zusammenfassend: „Mia song Milwing, vielleicht mit an ganz woachn b stodn w“.
Ob Hans Vogt mit der Aussprache „Milwing“ sprachlich an die im Codex Falkensteinensis, den Rechtsaufzeichnungen der Grafen von Falkenstein, überlieferten Schreibungen Milbings mit w anknüpft? Vielleicht. Etwas wahrscheinlicher wäre aber eine Ausspracheregel, die nicht nur im Bairischen auftritt: Die Laute b und w sind oftmals kaum zu unterscheiden. Ein ‚aber‘ wird schnell zum ‚awa‘.
Im 13. Jahrhundert ist es im Falle von Milbing umgekehrt gelaufen: 1224 heißt es noch Mvulwenge, 1297 aber Muelbinge; bei Apian im 16. Jahrhundert Milwing. Die Schreiber der vergangenen Jahrhunderte standen also vor dem gleichen Problem der Aussprache von w und b wie heute!
Um dieses Aussprache-Problem lösen zu können, hilft ein Blick in die Namensgeschichte Milbings aus allerfrühester Zeit. Und hierbei ist von einer Mühle – zuerst Mole, Mule, später Mil, Mill – auszugehen sowie vom Wort Wang = Ebene, Feld, das später Weng und Wing gesprochen wurde. Die Schreibungen Molewenge, Molwingen, Mulewenge, Mulewingen, Mulwengin, die im 12. Jahrhundert im Codex Falkensteinensis vorkommen, legen daher durchaus eine Änderung der heutigen Schreibung Milbing zu Milwing nahe.
In diesem Falle könnte man gleich daran gehen, die althergebrachen Gemeindeteile mit Ortsschildern zu versehen. Dann könnte keine Szene wie die folgende mehr passieren: Nur ein paar hundert Meter von Milbing entfernt weiß die freundliche junge Dame hinter der Theke eines Degerndorfer Cafés mit Milbing nichts anzufangen: „Milbing – wo isn dees?“ Die einzigen Namensspuren für Milbing sind die Flurbezeichnungen Mühlenstraße und Milbinger Straße: Zu wenig!
Südöstlich von Milbing – ohne Ortsschild – liegt Erlach – mit seinem Ortsschild. Gemeinsam ist beiden Ortschaften die Diskrepanz zwischen Schreibung und lokaler Aussprache. Erlach, das sich von der Erle herleitet, heißt bei den Einheimischen „Irlach“, „Irla“. Kein Wunder, denn die Erle heißt hier „ Irl“.
Somit plädieren wir auch im Falle von Erlach für eine Umbenennung: „Irlach“! Die Gemeinderäte sind nach der Sommerpause sicherlich voller Tatendrang!
Armin Höfer